„Wir wollen die WM, weil wir WM-würdig sind“

von Redaktion

Chef-Organisator Peter Fischer über die Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen für 2025

Garmisch-Partenkirchen – Im Mai fällt die Entscheidung. In Thailand wird verkündet, wer 2025 die alpine Ski-Weltmeisterschaften austrägt: die Schweizer mit Crans-Montana, die Österreicher mit Saalbach-Hinterglemm oder die Deutschen mit Garmisch-Partenkirchen. Dort finden an diesem und nächsten Wochenende jeweils zwei Herren- und Damenrennen statt. Sie stehen unter besonderer Beobachtung, sagt Chef-Organisator Peter Fischer (66). Im Interview erklärt er, was schief laufen könnte. Und was er Bewerbungsskeptikern entgegnet.

Herr Fischer, sind Sie in WM-Stimmung?

Ich bin in Weltcup-Stimmung. Für WM-Stimmung hab ich gar keine Zeit. Wir haben genug mit den Rennen in den kommenden zwei Wochen zu tun.

Sind die vier Weltcup-Veranstaltungen für Sie also Rennen wie alle anderen?

Einen herausragenden Stellenwert hat der Weltcup für mich immer. Aber es stimmt schon: Diese zwei Wochenenden sind irgendwie anders.

Wie anders?

Wir bewerben uns um eine alpine Weltmeisterschaft. Dazu fällt Ende Mai, in vier Monaten, die Entscheidung in Thailand. Also natürlich wird in diesem Jahr von außen anders auf uns geschaut als sonst.

Noch einmal die Frage: Wie anders?

Nehmen wir einmal an, irgendetwas läuft bei uns schief – obwohl wir gar nichts dafür können: Dann bleibt das sicher bei den Entscheidern der FIS (internationaler Skiverband, Anm. d. Red.) im Kopf. Auch wenn unser Bid Book, also quasi unsere Bewerbungsmappe, überzeugt, spielt ein – negativer – Eindruck am Ende womöglich bei der Entscheidung doch eine Rolle. Gerade, weil die Konkurrenz groß ist.

Einmal nüchtern betrachtet: Die Erfahrungen sprechen gegen Sie – also gegen den DSV und Garmisch-Partenkirchen.

Da widerspreche ich ganz klar. Natürlich höre ich das immer wieder: Wir verlieren eh, weil sich Saalbach-Hinterglemm schon einmal beworben hat. Weil Garmisch-Partenkirchen – wie so manche andere Austragungsorte auch – den Zuschlag für 2011 ebenso erst nach einer Niederlage bekommen hat. Und so weiter. Zweifellos werden sie, werden beide Mitbewerber eine starke Bewerbung hinlegen – so wie wir auch.

Sie rechnen sich also ernsthaft Chancen aus?

Ich gehe in keinen Wettbewerb, um Zweiter zu werden. Sondern um zu gewinnen. Das ist die Grundeinstellung im gesamten Team. Dafür werden wir alles tun.

Was also könnte bei den Rennen jetzt schief laufen, was die Entscheidung der FIS womöglich unterbewusst negativ beeinflusst?

Also wenn durch unser eigenes Unvermögen in der Organisation irgendetwas passiert – dann hätte die FIS natürlich zurecht einen schlechten Eindruck. Aber das ist für mich definitiv keine Option. Das darf es nicht geben und wird es nicht geben. Im Grunde bleibt also nur eine Sache, die wir nicht in der Hand haben: die Wetterkapriolen.

Ihr Weltcup-Wetterdienst sagt Neuschnee voraus?

Sogar 20 bis zu 40 Zentimeter bis morgen.

Wie nervös macht Sie die Vorhersage?

Überhaupt nicht.g

Kein bisschen? Obwohl die Herren-Rennen im vergangenen Jahr wegen zu viel Schnee ausgefallen sind?

Nein, kein bisschen.

Aber finanziell hängt Ihnen der Ausfall aus dem vergangenen Jahr doch sicher noch nach?

Selbstverständlich. Wir haben einen Verlust von über 100 000 Euro gemacht. Aber über Geld werde ich jetzt hier nicht groß reden und schon gar nicht jammern. Weil das nichts bringt. Traurig ist, dass der Skiclub und der Nachwuchs unter diesem Minus leiden. Aber es ist mein Job, dafür zu sorgen, dass der Weltcup gut läuft – wirtschaftlich und organisatorisch. Außerdem denke ich immer: Das wird schon. Den Grundoptimismus hab ich mir über all die Jahre bewahrt.

Ihre Organisation wird immer wieder gelobt. Trotzdem: In der öffentlichen Wahrnehmung geht Garmisch-Partenkirchen neben Kitzbühel fast unter…

… nicht nur neben Kitzbühel. Neben Schladming schon auch.

Woran liegt’s?

Selbstkritisch muss ich sagen: Unsere Pressearbeit lässt sich optimieren. Wir – also wir als Veranstaltungsort und Organisator – könnten uns noch besser vermarkten. Es heißt immer: Die anderen sind super, wir sind auch super – aber genau das verkaufen wir nicht gut genug. Das machen die Österreicher wirklich gut. Kritisieren muss ich da aber auch die deutschen Medien. Sie verherrlichen Kitzbühel mit der Streif und auch Schladming mit der Planai schon Tage im Voraus, ignorieren die Kandahar-Rennen in der Vorberichterstattung aber – obwohl sie der Höhepunkt im deutschen Weltcup-Kalender sind.

Fehlt Ihnen der Mega-Party-Event drumherum?

Der Eventcharakter ist sicher noch ausbaufähig. Das ist aber eine finanzielle und platztechnische Entscheidung. Denken wir an die WM-Bewerbung: Bekämen wir damit die Kandahar-Arena mit einem Zielbereich für alle Rennen und einem quasi Party- beziehungsweise Eventbereich, ergäben sich hier nachhaltig, über die WM hinaus, viele Möglichkeiten, um auch neben den Rennen mehr zu bieten.

Bis zu 450 Helfer engagieren sich beim Weltcup. Denken sie an die WM-Bewerbung?

Auch für sie und ihren enormen Einsatz zum Teil schon ab 4.30 Uhr morgens wäre ein Zuschlag eine große Anerkennung. Sie sind alle WM-gepolt. Die Grundeinstellung: Wir wollen die WM, weil wir WM-würdig sind.

Interview: Katharina Bromberger

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