Melbourne – Als Ashleigh Barty den Platz verließ und in den Tunnel mit der Galerie der Champions eintauchte, begleitete sie tosender Applaus. Danach wurde es still. Fast peinlich still. Als wollten die Australier angesichts des Katers, den sie nach dem Ende der „Barty Party“ hatten, nur ja keinen Lärm mehr hören, geschweige denn machen. Sofia Kenin schien es egal. Der Partyschreck war zu überwältigt. Später sagte sie: „Ich entschuldige mich bei allen australischen Fans.“
Zwei Wochen lang hatten die Australier auf eine Finalteilnahme von Barty hingefiebert, auf Temperatur gebracht von den Medien. „Ich weiß“, sagte Kenin, „sie wollten, dass sie gewinnt.“ Und nun das. Kenin, 21 Jahre alt, geboren in Moskau, aber längst Amerikanerin, gewann 7:6 (8:6), 7:5 gegen Barty, die in den beiden Durchgängen jeweils zwei Satzbälle vergab. Sie trifft damit am Samstag (9.30 Uhr MEZ) auf die ehemalige Weltranglistenerste Garbine Muguruza (Spanien), die Simona Halep (Rumänien) in 2:05 Stunden 7:6 (10:8), 7:5 niederrang.
Barty, Siegerin der French Open 2019, nahm die Heimniederlage im Stile eines Champions. Mit ihrer gerade zwölf Wochen alten Nichte Olivia auf dem Schoß sagte sie mit fester Stimme: „Ich war nur zwei Punkte von einem Sieg entfernt, das ist enttäuschend. Aber ich habe die wichtigsten Punkte nicht gut genug gespielt. Ehre, wem Ehre gebührt.“ sid