Der Plan von David Wagner war eigentlich gut. Wenn ein Schalke-Kapitän im Winter seinen Wechsel zum FC Bayern bekannt gibt und passenderweise just zu diesem Zeitpunkt wegen einer nicht ganz so korrekten Kung–Fu-Aktion für fünf Spiele gesperrt ist, hat man als Trainer genug Argumente auf seiner Seite. Wagner agierte in dieser Causa, wie es das gekränkte Schalker Herz verlangt: Alexander Nübel sollte in seiner letzten Halbserie bei Königsblau auf der Bank nicht ausgepfiffen, aber vergessen werden. Und Markus Schubert die Zeit nutzen, um sich zum Stammtorwart zu entwickeln. Nur: Erstens kommt es meist anders, und zweitens als man denkt.
Die Nachricht, die gestern die Runde machte, passte nur bestens in diese schräge Partie, die seit Weihnachten gespielt wird. Genau in der Woche, in der Wagner sich die ganze Sache aufgrund der Nicht-Leistung von Schubert beim 0:5 in München sowie dem Ende der Nübel-Sperre noch einmal durch den Kopf gehen lassen wollte, wird ihm die Entscheidung abgenommen. Heute Abend in Berlin steht also Nübel im Tor. Höhere Gewalt, weil bei Schubert die Patellasehne streikt. Und Gewissheit für alle, dass dieses Spiel noch lange nicht vorbei ist. Das gilt weit über die Gelsenkirchener Grenzen hinaus.
Knapp vier Monate rollt der Ball in der Bundesliga noch, aber diese Debatte, so lehren die vergangenen Wochen, hält sich nicht an Zeitvorgaben oder gar Spielzeiten – sie wird im Sommer nur weitergegeben. Bis dahin sind hinter den Kulissen wie vor laufenden Kameras folgende Dinge zu klären: Was passiert auf Schalke, wenn Schubert wieder fit ist? Was, sollte Schubert dann wieder patzen? Schaffen es die Verantwortlichen, bei einer Strategie zu bleiben? Und muss man nicht vielleicht doch auf den Transfermarkt im Sommer blicken?
Parallel dazu kann man sich in München darauf einstellen, dass Antworten aus dem Westen im Süden zu neuen Fragen führen. Natürlich haben die Bayern-Bosse recht, wenn sie Transfer als „logisch“ erklären. Trotzdem: Kommt Nübel mit oder ohne Spielpraxis? Warum holt man sich eine Torhüter-Debatte ins Haus? Welche Konsequenzen hat der Transfer auf die anstehenden Vertragsgespräche mit Manuel Neuer? Und was genau meint Nübels Berater, wenn er davon spricht, Nübel wolle Neuer „mittelfristig verdrängen“?
Dieser Fall ist längst zu einer komplizierten Dreiecksbeziehung geworden. Einer, in der gute Pläne wenig helfen, weil zu viele Menschen mitmischen. Sie geht aktuell nicht in die Verlängerung, sondern ist gerade mal in Fahrt gekommen. Quasi in der ersten Halbzeit.
Hanna.Raif@ovb.net