Da ist es also passiert. Der FC Bayern hat gerade mal drei Partien in 2020 gebraucht, um wieder dort zu stehen, wo er sich selbst am liebsten sieht. Die Gewissheit, nach dem Spieltag ganz oben zu verweilen, erfolgte – Achtung, Fachjargon! – „auf dem Sofa“. Man stellt sich vor, wie Thomas Müller am Samstagabend, als das Topspiel zwischen Leipzig und Mönchengladbach Bayern-freundlich remis endete, wie ein Kind auf seiner Couch herumsprang. Wie Thiago virtuos durchs Wohnzimmer tanzte. Und wie im Hause Boateng die Boxen lauten Hip-Hop-Bass ertragen mussten. Jeder durfte sich freuen, wie er will.
Ein paar Stunden zuvor hatten sich die Bayern nach dem eigenen Sieg in Mainz noch in leiseren Tönen geübt, Hasan Salihamidzic hatte sich gar als Mahner gegeben. Eine Reaktion, die typisch ist für den FC Bayern in der lange so ungewohnten Verfolger-Rolle. Man darf mit Blick auf den bisherigen Saisonverlauf davon ausgehen, dass die Spannung im Team von Hansi Flick heuer nicht abfallen wird. Der Weg nach oben war steinig – genauso schwer wird es für die Konkurrenz deshalb nun, den Serien-Meister vom achten Titel in Serie abzuhalten.
Bei den Bayern spricht der mahnend-fokussierte Ton Bände, und auch die Reaktionen der Konkurrenten offenbaren deren Ambitionen. Die Dortmunder zum Beispiel üben sich nach drei furiosen Spielen mit 15 geschossenen Toren in Optimismus. Meisteransage von Erling Haaland, ein flottes „da geht noch was“ von Michael Zorc: Der BVB ist ja bekannt dafür, auf Schwingungen extrem zu reagieren. Mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt. Wer groß tönt, kann tief fallen.
Vom Leipziger Rasen waren am Samstag nur leise Töne zu vernehmen. RB-Verantwortliche „stört es nicht“, dass sie die Tabellenführung verloren haben (Markus Krösche), in Gladbacher Kreisen war der Ärger über die Gelb-Rote-Motz-Karte deutlich größer als jener über die liegengelassenen Punkte. Der Ton macht die Musik, sagt man ja, und die aktuellen Melodien der Titelanwärter legen den Schluss nahe, den Fußball-Romantiker nicht hören wollen: „Deutscher Meister wird nur der FCB . . .“
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