Geburtstage, runde zumal, sind nicht gerade bekannt dafür, dass sie zum Anlass kritischer Hinterfragung genutzt werden. Und so erreichten Jogi Löw zu seinem 60. nur die wärmsten Glückwünsche. Auch vom FC Bayern. Obwohl ihm dieser ja nicht immer wohlgesonnen war. Wie auch immer, die generelle Einschätzung lautete am gestrigen Ehrentag: toller Trainer, toller Mensch.
Den Elogen ist nicht groß zu widersprechen. Und trotzdem sei bei dieser Gelegenheit angemerkt, dass Löw als Bundestrainer zwar in der Branches hohes Ansehen genießt, aber so ein richtig inniges Verhältnis zum Publikum ist in seiner nun schon 14-jährigen Amtszeit nicht entstanden. Anders als zum Beispiel bei Rudi Völler, den die Fans feierten und liebten. Auch wenn unter seiner Regie mitunter eher rumpelfüßig gekickt wurde. Aber er war – wie schon einst als kämpferischer Torjäger – zweifelsohne ein Mann des Volkes.
Vielleicht liegt es an Löws Distanziertheit, auch an dem Hauch von Eitelkeit, den er als bisweilen ausstrahlt, dass er nie so richtig zum Liebling der Nation wurde. Böse Zungen bezeichnen ihn gar als zur Sturköpfigkeit neigenden Dressman auf der Trainerbank. Augenfällig ist dabei die Tendenz, dass der Freiburger oft kritischer beurteilt wurde, als er es verdiente. Schließlich führte Löw die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf spielerische Höhen, die nur selten in der DFB-Historie erreicht wurden: Wohl nur bei den Weltmeistern 1990 und den Europameistern anno 1972 war so viel Brillanz und Leichtigkeit im deutschen Spiel. Schon bei der WM 2010 in Südafrika trumpften Löws Mannen mit erstaunlichem Ballzauber auf, mit dem WM-Titel 2014 empfing Löw endgültig die allerhöchsten Weihen seines Faches.
Große Verdienste sind das. Und die seien zu seinem 60. Geburtstag auch nachdrücklich gewürdigt. Doch im Fußball zählt vor allem die Gegenwart. Und die hat für die deutsche Nationalmannschaft immer noch mit dem katastrophalen Auftritt bei der WM 2018 in Russland zu tun. Der Titelverteidiger scheiterte als Gruppenletzter in der Vorrunde. Es war eine Überraschung, dass er im Amt bleiben durfte. Somit steht der entzauberte Löw in der Bringschuld. Bei der EM im Sommer muss er mit verjüngtem Aufgebot an alte Erfolge anknüpfen. Diese Forderung kommt nicht nur von Löws notorischen Kritikern. Sondern sie liegt in der Logik des Fußballs.
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