München – Mit großen Brüdern ist das so eine Sache. Sie können einem mit Rat und Tat zur Seite stehen, ein Vorbild und eine große Hilfe sein. Gleichzeitig besteht immer die Gefahr, es nicht aus ihrem Schatten zu schaffen. Vor allem wenn die älteren Geschwister sehr erfolgreich sind und man einen ähnlichen Weg einschlägt. Die Ausgangslage ist für Tristan da Silva deshalb nicht einfach, sein Bruder Oscar hat mächtig vorgelegt. Bei der Internationalen Basketball Akademie, dem Nachwuchsprojekt des MTSV Schwabing, reifte Oscar da Silva zu einem der größten Basketball-Talente Deutschlands. Der 2,06 Meter große Forward wechselte schließlich 2017 in die USA an die Elite-Universität Stanford, wo der 21-Jährige im dritten Jahr studiert und College-Basketball spielt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag sammelte der Münchner in seinem bisher wohl besten Spiel in den USA 27 Punkte und 15 Rebounds gegen Oregon, das große Ziel ist der NBA-Draft im nächsten Jahr.
Die Latte liegt also hoch für den drei Jahre jüngeren Tristan, ein Problem ist das für ihn aber nicht. Denn trotz der fast 10.000 Kilometer Entfernung ist die Verbindung zu seinem Bruder eng geblieben. „Außerdem wissen die Leute, die uns näher kennen, dass mein Bruder und ich total verschieden sind“, erklärt er und meint vor allem die Unterschiede auf dem Basketballplatz.
Während der Jüngere am liebsten als Shooting Guard spielt und auf seinen Wurf vertraut, zieht der Ältere gerne zum Korb, spielt körperlicher, fühlt sich auf den Positionen vier und fünf am wohlsten. Trotz dieser Unterschiede traut Robert Scheinberg, der beide Brüder in Schwabing trainierte, Tristan zu „hundert Prozent“ zu, einen ähnlichen Weg wie Oscar zu gehen. Während Oscar schon in der U16 vom DJK Sportbund München aus Pasing nach Schwabing wechselte, machte der 2,03 Meter große Tristan den Schritt erst im November 2018. In der aktuellen Spielzeit, seiner zweiten in der Regionalliga und der U 19-Bundesliga NBBL, startet er richtig durch und hat sich zum Leistungsträger in beiden Teams entwickelt. Zum 88:80-Sieg der IBAM in der NBBL gegen Gießen am Sonntag trug er 21 Punkte und zehn Rebounds bei, dazu sechs Assists und drei Steals. „Wir wollen auf jeden Fall in die Playoffs und ins Final Four“, nannte der 18-Jährige die Ziele für den Rest der NBBL-Saison. Danach will er im Sommer ebenfalls den Weg in die USA ans College gehen.
Vielleicht treffen sich die Brüder dann auch irgendwann einmal auf dem Basketballfeld, was eine echte Premiere wäre. Denn bislang haben die beiden weder zusammen in einer Mannschaft, noch gegeneinander gespielt. „Das fände ich schon cool“, sagt Tristan da Silva mit Blick auf ein mögliches Brüderduell. CHRISTIAN STÜWE