München – Astana Top-Fahrer Jakob Fuglsang (34) soll laut der dänischen Zeitung Politiken mit Lance Armstrongs Doping-Doktor Michele Ferrari (66) gearbeitet haben. Ex-Profi Stefan Denifl (32) gestand, Blutdoping betrieben zu haben. Die Montagsschlagzeilen lieferten – wieder einmal – ein düsteres Bild des Radsports. Ein passendes? – fragten wir Dan Lorang (40), Cheftrainer im Team BORA-hansgroheund Coach von Ironman-Champion Jan Frodeno (28).
Herr Lorang, wie haben Sie die Aussagen von Stefan Denifl aufgenommen?
Ich bin sauer. Er behauptet, dass Topleistungen ohne Doping nicht möglich sind. Das stimmt nicht und ist respektlos gegenüber anderen Athleten, die viel investieren und lange von zu Hause weg sind, um ihre Ziele zu erreichen. Emanuel Buchmann ist der beste Gegenbeweis. Er war 2019 Vierter bei der Tour. Und wir bei Team BORA-hansgrohe haben uns absolut nichts vorzuwerfen und arbeiten absolut transparent.
Viele Betrüger argumentieren wie Denifl. Warum?
Vermutlich glauben sie wirklich, was sie sagen. Dabei bringen sie vielleicht nur nicht die Leidensfähigkeit mit, um ganz nach oben zu kommen. Aber die Verallgemeinerung wirkt für mich wie ein Hilfeschrei. Bei Jan Ullrich mag das vielleicht noch gestimmt haben. Aber ich bin überzeugt, dass der Radsport heute weiter ist, auch wenn es, wie überall in der Gesellschaft, auch im Sport wohl nach wie vor einzelne Betrüger gibt.
Welche Rolle spielen die Gene im Radsport?
Auch als Über-Talent ist der Weg steinig und schwer, deswegen ist die Spitze nur wenigen Personen vorbehalten. Nicht jeder kann jedes Ziel erreichen. Aber das ist nicht schlimm und macht mich weder zu einem schlechteren Athleten noch zu einem schlechteren Menschen. Deshalb zu Hilfsmitteln zu greifen, ist aber einfach falsch. Ich raube auch keine Bank aus, um mir einen Ferrari leisten zu können.
Heute mit Michele Ferrari zusammenzuarbeiten, können Sie das verstehen?
Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Man weiß um seine Vergangenheit und dass er lebenslang gesperrt ist. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das ein Rückschlag für den Radsport.
Wie transparent arbeiten Sie mit Ihren Athleten?
Jede Einheit ist abgespeichert. Aus den Werten kann man gut erkennen, dass Emanuel in Frankreich nichts Übermenschliches geleistet hat. Auch hinter den Leistungen von Jan Frodeno steht ein aufbauender Prozess. Die Daten sind vorhanden sollte es Fragen geben, können wir sie jederzeit zur Verfügung stellen.
Es gab aber noch nie eine Anfrage des Rad-Weltverbands oder der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA?
Nein, aber der Radverband UCI kontrolliert, ob die Datenbanken vorhanden sind. Es gibt auch Überlegungen, diese Werte in die Dopingprävention einfließen zu lassen. Ich würde das für einen guten Schritt halten.
Schlagzeilen wie die von Fuglsang und Denifl, können Sie und Ihre Athleten die im Alltag ausblenden?
Nein, es beschäftigt uns. Für alle, die nicht so tief in der Materie stecken, bekommt der Radsport wieder einen negativen Stempel aufgedrückt.
Interview: Mathias Müller