München – Rote Familie, blaue Vergangenheit – und jetzt der Mann der Stunde bei den Rotblauen. Christoph Greger, 23, seit 2016 in Unterhaching, hat maßgeblich dazu beigetragen, dem Thema Rückrunde aus Sicht der Spielvereinigung seinen Schrecken zu nehmen. Wende in Würzburg eingeleitet, Siegtreffer gegen Uerdingen erzielt – es läuft für Greger, der seine Torserie schon im alten Jahr begonnen hatte. Wir trafen den offensivstarken Innenverteidiger zum Interview.
Herr Greger . . . oder möchten Sie Aktionärsgott genannt werden?
Wieso das?
Weil sich Manni Schwabl nach eigener Auskunft sorgte, dass er auf der Aktionärsversammlung zu einem weiteren verpatzten Rückrundenstart Stellung nehmen muss – bis Sie mit Ihrem Tor in Würzburg die Trendwende einleiteten.
(lächelt) Mein Tor hat sicher geholfen, aber das haben wir schon gemeinsam gedreht. So ist es nicht.
Wie kam es, dass Sie sich den Ball am Elfmeterpunkt geschnappt haben?
Bei uns ist es so, dass Dodo Stroh-Engel und ich eingeteilt sind – und wir auf dem Platz entscheiden, wer sich besser fühlt. Nachdem der Dodo in Würzburg nicht gespielt hat, musste ich ja . . .
Sind Sie als ruhender Pol im Team prädestiniert für solche Aufgaben.
Ich weiß, dass ich gute Karten habe, wenn ich mich auf mich und den Schuss konzentriere. Ich hab ein paar Varianten drauf, aber die werde ich hier natürlich nicht preisgeben. Ich mach das gerne – und hab ihn dann reingehauen.
Vermutlich liegt man Ihnen im Verein zu Füßen, weil Sie ja gegen Uerdingen gleich für den zweiten Sieg gesorgt haben. Ist das Thema Rückrundenfluch damit beendet?
Es war schon ein Thema in den vergangenen Jahren, aber ich will meinen Anteil nicht zu hoch hängen. Nur weil ich jetzt einen Elfmeter und einen Abstauber reingemacht habe, bin ich noch lange kein Vereinsheld.
Die eine oder andere WhatsApp-Gratulation dürfte aber auf Ihrem Handy eingegangen sein.
Es haben sich schon viele gemeldet, aber ich hab auch noch nie in drei Spielen hintereinander ein Tor gemacht. Deswegen hab ich da keinen Vergleichswert, was normal oder unnormal ist.
Drei Spiele, drei Greger-Tore. Wie erklären Sie sich Ihren Lauf? Schließlich sind Sie Innenverteidiger.
Ich hab mir sagen lassen, dass das öfter mal passiert, dass Spieler, die nicht so oft treffen, in einen Flow reinkommen. Ich werde mich auch nicht dagegen wehren, noch weiter zu treffen. Es war ein absolut schönes Gefühl, vor allem weil es zum ersten Mal in meiner Karriere das einzige Tor des Spiels war (beim 1:0 gegen Uerdingen/Red.).
Haben Sie denn eine offensive Vergangenheit?
Bei den Löwen in der Jugend habe ich zu Beginn vorne außen gespielt, aber ab der C-Jugend war ich eigentlich Innenverteidiger.
Obwohl Sie von allen Seiten sehr gelobt werden, steht überraschend kein U-Länderspiel in Ihrer Vita.
Das stimmt. Ich schätze mal, im Jugendbereich war ich einfach zu schlecht (lacht).
Spürt man im Verein, dass eine Last abfällt, weil das neue Jahr endlich mal siegreich angefangen hat?
Natürlich ist es so, dass wir den Blick jetzt eher mal nach oben richten. Wir wissen, wir haben zwei Siege und geraten nicht mehr so leicht in einen Negativstrudel rein. Wir sind auch so weit wie noch nie in all den Jahren. Jedem ist klar, was für eine Chance wir haben, deswegen wären wir dumm, wenn wir sie nicht wahrnehmen würden.
War das eine mentale Geschichte, als es in den zurückliegenden Rückrunden nicht so lief?
Ich denke, es war eine Verkettung von Gründen. Verletzte, Spielabsagen, ungünstiges Programm. Zum Glück sind wir jetzt breiter aufgestellt.
Ist es eine neue Qualität, dass Haching jetzt auch die weniger guten Spiele gewinnt, siehe Uerdingen?
Unser Ziel ist, wenige Gegentore zu bekommen, denn uns ist bewusst, dass wir in der Lage sind, in jedem Spiel ein Tor zu erzielen. Trotzdem ist Uerdingen nicht unser Anspruch. Wir wollen offensiv viel mehr das Heft in die Hand nehmen.
In der Hinrunde hat Haching aber auch gerne mal ein 0:0 mitgenommen.
Gerne definitiv nicht. Wenn wir in ein Spiel gehen würden, um ein 0:0 zu holen, dann würde unser Präsident durchdrehen. Das ist ja überhaupt nicht unsere Devise. Trotzdem muss man je nach Spielverlauf abwägen, ob man volles Risiko geht oder eine kontrollierte Offensive startet.
Seit 2016 sind Sie ein Hachinger und in dieser Zeit zur absoluten Stammkraft gereift. Zufrieden, wie es gelaufen ist?
Hätte ich vorher gewusst, dass es so läuft – ich hätte es sofort unterschrieben. Ich hab immer mehr Einsatzzeit bekommen, und auch in meiner Spielweise habe ich zugelegt. Da sieht man, glaube ich, eine kontinuierliche Entwicklung. Es passt sehr gut hier für mich.
Was war der Grund, dass Sie die Löwen nach zehn Jahren verlassen haben?
Der Verein hat sich damals für Felix Uduokhai entschieden, der wie ich linker Innenverteidiger gespielt hat. Es war ja nicht abzusehen, dass er nur ein Jahr bei den Profis bleibt. Bei 1860 hab ich nicht mehr ganz so die Perspektive gesehen, bei Haching hatte ich sofort ein gutes Gefühl. Wie sie planen, was für Verantwortliche am Werk sind, wie sie auf junge Spieler setzen – das hat sich dann so ergeben, obwohl es natürlich ein schwerer Schritt für mich war, von meinen besten Freunden wegzugehen.
Mit Mo Heinrich und Alex Fuchs sind ja zwei von Ihren alten 1860-Kumpels auch in Haching gelandet.
Stimmt, am Ende sind sie mir doch wieder gefolgt (lacht).
Den Löwen entkommen Sie auch nicht. Im Toto- Pokal und im Liga-Hinspiel hatte Haching das Nachsehen. Rechnen Sie mit 1860 als Konkurrent im Aufstiegskampf?
Ich denke schon, dass man mit ihnen rechnen sollte. Sie haben in letzter Zeit einen großen Schritt nach vorne gemacht und sich auch bei den Ergebnissen gefestigt. Sie haben sich in eine ordentliche Ausgangslage gebracht – jetzt muss man sehen, ob sie das halten können.
Dem dritten Duell Anfang Mai fiebern Sie sicher schon entgegen . . .
Ich hab mich bisher nicht so viel damit beschäftigt, aber für mich steht auf jeden Fall fest, dass wir jetzt mal ein Derby gewinnen müssen.
Anderes Thema. Sie sind ausgebildeter Bankkaufmann und Student der Wirtschaftswissenschaften. Was sagen Sie als Finanzexperte zu Hachings Börsengang?
Ich find’s cool, dass der Verein nicht unfassbar viele Schulden aufnimmt, sondern über den Eigenkapitalweg geht und private Personen auf diese Weise einbindet. Ich denke, wir haben jetzt die finanziellen Mittel, um mittelfristig gut planen zu können. Jetzt liegt es an Manni und an unserem Team, diese Chance richtig zu nutzen.
Sie selber haben ja auch Haching-Aktien im Portfolio. Sind Sie mit dem Kursverlauf zufrieden?
Absolut. Der Kurs ist sehr stabil, es läuft alles nach Plan. Man kann ja im Prinzip selber beeinflussen, wie’s läuft (lacht).
Hält auch die sportliche Hausse der Spielvereinigung an?
Es spricht wenig dagegen. Wir haben jetzt den Kader, um jedes Spiel zu gewinnen. Und wenn wir bis zum Ende oben dabei sind, wird sich keiner von uns gegen einen Aufstieg wehren. Ich habe schon einen sehr starken Glauben an Haching.
Interview: Uli Kellner