Torunarigha über Anfeindungen: Ich kann es nicht verstehen

von Redaktion

Profis solidarisieren sich nach Rassismus-Skandal mit dem Hertha-Spieler – Schalke-Boss Tönnies verspricht Aufklärung

Gelsenkirchen – Die Polizei Gelsenkirchen hat die Ermittlungen aufgenommen, Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies verspricht lückenlose Aufklärung: Die Aufarbeitung des Vorwurfs der rassistischen Gesänge gegen den früheren Junioren-Nationalspieler Jordan Torunarigha von Hertha BSC im Pokal-Achtelfinalspiel beim FC Schalke 04 ist in vollem Gange. Derweil solidarisieren sich viele Profi-Kollegen mit dem 22 Jahre alten Torunarigha, Ex-Profi Hans Sarpei zeigt sich entsetzt, und Torunarighas Vater spricht über eigene Erfahrungen mit Rassismus.

„Wir haben von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, sagte ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen, nachdem Schalke-Fans unter anderem Affenlaute in Richtung Torunarighas gerufen haben sollen. Es gehe um den Anfangsverdacht der Beleidigung, sagte der Polizeisprecher. Eine Anzeige des Berliner Spielers liege nicht vor. Zuvor hatte der DFB-Kontrollausschuss eine Untersuchung eingeleitet.

Schalke-Boss Tönnies versprach: „Wir werden alles daransetzen, die Angelegenheit aufzuklären.“ Erste Erkenntnisse seien bereits gewonnen. Der Club bat Torunarigha „aufrichtig und in aller Form“ um Entschuldigung. Ex-Profi Hans Sarpei antwortete auf die Frage, ob Tönnies mit seinen Aussagen über Afrikaner im Vorjahr ein schlechtes Vorbild gewesen sei, generell. „Es ist wie im Fußball: Wenn sich ein Spieler etwas erlaubt und der Trainer es duldet oder wegguckt, gibt es schnell Nachahmer-Effekte. Dem muss der Verein, dem muss unsere Gesellschaft vorbeugen.“

Inzwischen äußerte sich auch Jordan Torunarigha selbst erstmals zum Thema. „Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein Abitur gemacht, spreche Deutsch wie alle anderen, deshalb kann ich diese Äußerungen, wie sie von einigen Idioten während des Spiels gemacht wurden, in keiner Weise verstehen“, erklärte er. Und weiter: „Viele können nicht nachvollziehen, was das bedeutet und was sie damit bei den Menschen anrichten.“

In den sozialen Netzwerken bekundeten etliche Profis Rückhalt für Torunarigha. „Wir stehen alle hinter dir Bruder!!! #notoracism“, schrieb etwa sein früherer Teamkollege Davie Selke, der inzwischen bei Werder Bremen spielt, bei Instagram. „Hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland 2020 möglich ist! Bin fassungslos!“, schrieb Bayerns Jerome Boateng bei Twitter. „#F%** Racism I am with you my man“ (Ich bin bei dir), teilte sein Bruder Kevin-Prince Boateng mit.

Jordan Torunarighas Vater Ojokojo berichtete in der „Bild“-Zeitung, er sei „bei einem Stadtfest durch die Stadt gejagt“ worden. „Die Polizei half mir erst, als sie erkannten, dass ich ein Fußballprofi war“, sagte der frühere Spieler des Chemnitzer FC.  dpa

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