München – Hasan Salihamidzic musste in der Nacht zum Donnerstag auf dem Weg aus der Allianz Arena noch einen Zwischenstopp einlegen. Der Sportdirektor des FC Bayern will ja helfen, wo er helfen kann, und in den Katakomben war ein Spieler in Not geraten. Alvaro Odriozola, vollbepackt mit Rucksack, Mitternachts-Snack und Tüten, hatte kurz nach seinem Debüt in München augenscheinlich Probleme, in diesem Wirr-Warr seine Trainingsjacke anzuziehen. Salihamidzic machte also Halt, war im entscheidenden Moment zur Stelle – und augenscheinlich glücklich, auch die letzte Aktion dieses doch nervenraubenden Pokalabends unfallfrei über die Bühne gebracht zu haben.
„Wir sind erst mal froh, dass wir weiter sind. Andere sind ausgeschieden – wir sind im Viertelfinale“, diktierte er kurz später in die Mikrofone, ohne seine Erleichterung über das 4:3 gegen Hoffenheim verbergen zu können. Natürlich machte es den Bayern Spaß, auf das Ausscheiden von Borussia Dortmund und RB Leipzig am Tag zuvor hinzuweisen – Thomas Müller hatte das Ganze gar „wohlwollend zur Kenntnis genommen“. Obwohl sie aber selbst nun noch mehr in der Favoritenrolle stecken als zuvor, waren sie nach dem knappen Erfolg gegen die Kraichgauer nicht unbedingt in bester Position, um große Töne zu spucken. Hansi Flick übertrieb nicht, als er mit Blick auf die schwache zweite Halbzeit sagte: „Das ist ein Weckruf für uns.“
Wie schon beim 3:1 gegen Mainz am Samstag hatte seine Elf am Mittwoch zwei Gesichter gezeigt. Ein Eigentor von Hoffenheims Benjamin Hübner (13.) sowie die Treffer von Müller (20.) und Robert Lewandowski (36./80.) hatten nur vermeintlich für eine Vorentscheidung gesorgt, denn in der zweiten Halbzeit bestimmten die schon tot geglaubten Gäste die Partie. Am Ende, als es nach einem Doppelschlag von Munas Dabbur (82./90.+2) plötzlich nur noch 4:3 stand, war jeder einzelne Bayer über den Abpfiff froh. „Dass wir noch mal so ins Schwimmen kommen, darüber müssen wir reden“, sagte Flick. Gestern hatten die Profis frei, heute und morgen aber steht ein Crash-Kurs an. Eine verschlafene Halbzeit im Liga-Gipfel gegen Leipzig sollte man sich nicht erlauben. Zwar werde das Spiel „keine Vorentscheidung“ um die Meisterschaft, sagte Joshua Kimmich, aber: „Entscheidend ist es schon.“
Die Bayern sind freilich seit vergangener Woche als Tabellenführer in besserer Position, auch angeschlagene Leipziger aber wollen sie nicht unterschätzen. „Vielleicht“, führte Kimmich fort, sei es sogar „ganz gut vor dem Spiel, dass wir merken, dass es nicht von alleine geht“. Müller, der am Ende auf der Ersatzbank gezittert hatte, fand es sogar „schön“ zu sehen, dass auch lange überdominante Bayern einbrechen können. „Dann ist man immer wieder angehalten, sich darauf zurückzubesinnen, was einen eigentlich stark macht.“
Die Profis hatten auf dem Platz viel gesprochen, aber nach der Pause keine Lösung mehr gefunden. Die Dominanz aus dem ersten Durchgang war genauso dahin wie die Abstimmung in der Defensive. Müller hatte durchaus Recht, als er sagte: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass Hoffenheim es unbedingt wollte. Wir haben sie zurück ins Spiel gebracht.“ Schon in Mainz war es ähnlich gewesen, aber noch ohne Konsequenz geblieben.
Tabellenführer, Pokal-Viertelfinalist: Die Ergebnisse der Rückrunde stimmen bisher, der echte Gradmesser aber folgt noch. Ein „4:1 oder 5:1“ hätte Kimmich sich gewünscht, „das wäre schon ein super Zeichen gewesen“. So aber treffen sich am Sonntag eine Mannschaft in der Krise und eine in der Halbzeit-Krise. Die Favoritenrolle nahm Salihamidzic gerne an, Kimmich erwartet „ein Spiel auf Augenhöhe“. Schon jetzt habe er das Gefühl, dass es eine sehr gute Saison werden könne. Ein Sieg im Topspiel könnte dieses verstärken.
Die Pokal-Auslosung übrigens findet parallel zur Partie statt, am Sonntagabend. Für Leipzig ist das seit Dienstag nebensächlich. Ihr Fokus liegt auf der Meisterschaft, aber egal, was Julian Nagelsmann aus dem Hut zaubert – Müller kündigte an: „Wir werden einen Gegenzauber haben.“ Am besten wäre einer, der 90 Minuten wirkt.