Werbung in Dauerschleife

von Redaktion

Müller ist auch gegen Hoffenheim der Matchwinner – Coutinho kann neben ihm nur abfallen

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Man muss es einfach mal sagen, wie es ist: Jeder, der im Moment neben Thomas Müller spielt, kann eigentlich nur abfallen. Am Mittwoch, beim am Ende doch knappen 4:3 gegen Hoffenheim, hat dieses bedauerliche Einzelschicksal Philippe Coutinho getroffen. Zum zweiten Mal stand der Brasilianer in dieser Rückrunde in der Startelf, zum zweiten Mal fand er in der Spielanalyse keine besondere Erwähnung. Vielmehr zog Hasan Salihamidzic das durchwachsene Fazit: „Phasenweise hat er gute Sachen gemacht, dann wieder komplizierte.“ Ein Lob hört sich anders an.

Tatsächlich war Coutinho in der Offensive nicht wenig aktiv, aber auf der linken Seite doch glückloser als seine Neben- und Vordermänner. Dass der 27-Jährige vor dem frühen Gegentor zudem ein Dribbling und somit den Ball verloren hatte, wirkte sich negativ auf die Bilanz aus. „Er braucht ein Erfolgserlebnis“, sagte Salihamidzic, heute habe es „nicht geklappt, aber wir wissen, was er kann“. Trotzdem scheint es Stand jetzt ausgeschlossen, dass die überteuerte Kaufoption von 130 Millionen Euro im Sommer gezogen wird.

Im Februar über Verträge zu reden, ist müßig, als sportlich Verantwortlicher aber kommt man nicht drumherum. Dringlicher als in der Causa Coutinho sieht es da allerdings unter anderem bei Müller aus, dessen Vertrag in eineinhalb Jahren ausläuft. Offiziell hat Salihamidzic „keine Bedenken“, dass andere Clubs die bestechende Form des Urgesteins wahrnehmen und aktiv werden. Die Betroffenen – auch unter anderem Thiago und Manuel Neuer warten – wüssten Bescheid, dass „wir uns jetzt erst mal nur auf das Sportliche konzentrieren“. Eine offizielle Deadline wollte der Sportdirektor nicht nennen.

Belässt man den Fokus also auf dem Rasen, stellt man fest, dass dieser Müller keine besseren Argumente für eine Weiterbeschäftigung liefern könnte. An drei Treffern war er am Mittwoch maßgeblich beteiligt, einer davon gelang ihm selbst. „Ich habe gerade einen guten Lauf. Das Tor ist keines, das man einfach so reinschiebt“, stellte er treffend fest. Mit 30 Jahren ist Müller in Höchstform. Sein Spielstil ist nach wie vor nicht filigran, er steht in keinem Fußball-Lehrbuch. Dass er effektiv ist und ein Team mitreißt, ist aber gewiss.

Sein Spiel, sagte der Matchwinner gegen Hoffenheim, habe er „nicht verändert“. Vielmehr sei die „Struktur der Mannschaft“ auch der Schlüssel zu seinem persönlichen Erfolg. In der Saison, die er als frustrierter Reservist unter Niko Kovac begann, steht er seit dem Trainerwechsel bei sieben Treffern und neun Vorlagen. Fortsetzung dürfte folgen.

„Er hilft uns immer wieder, Spiele zu gewinnen“, sagte Salihamidzic: „Das freut mich.“ Trotzdem wollte er die EM-Debatte des ausgemusterten Nationalspielers nicht befeuern („beschäftigt mich nicht“). Müller macht eh Werbung in eigener Sache, in Dauerschleife. Coutinho eher nicht.

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