München – Zwölf Jahre war der ehemalige Fernsehjournalist Gerd Rubenbauer (71) Medienchef bei den alpinen Weltcups in Garmisch-Partenkirchen. In dieser Zeit wurden er und sein Team vom Weltverband FIS zweimal für herausragende Medienarbeit ausgezeichnet. Nach den Männer-Rennen am Wochenende hat er den Job beendet, eine Woche früher als geplant. Zum Abschluss spricht Rubenbauer über die Zukunft des Skisports, die Notwendigkeit von FIS-Kongressen und warum Felix Neureuther bei der Bewerbung um die Ski-WM 2025 eine wichtige Rolle spielen muss.
Gab es einen konkreten Anlass, bereits vor den Frauen-Rennen am Wochenende den Job als Medienchef aufzugeben?
Es gibt doch keinen besseren Moment, als nach dem Sieg von Thomas Dreßen aufzuhören.
Hat Ihr spontaner Rücktritt etwas mit der PR- und Medienkritik, die OK-Präsident Peter Fischer in dieser Zeitung vor den Rennen geübt hatte, zu tun?
Nein, bei dieser Kritik ging es ja vor allem um die Berichterstattung vor den Rennen, und das wäre ja eine reine PR. Aber ein Veranstalter kann nicht davon ausgehen, dass die Medien die PR-Agentur einer Veranstaltung sind. Auch ich bin es nicht, ich habe meinen Job als Dienstleister für Journalisten verstanden, um mitzuhelfen, eine Veranstaltung gut rüberzubringen. Ich denke, das ist uns gelungen. Meistens jedenfalls.
Wann nicht?
Der Riesenslalom am vergangenen Sonntag war eine der schlechtesten Übertragungen, die ich je gesehen habe. Und da werfe ich nichts dem Fernsehen bzw. der Fernsehregie vor. Das Erscheinungsbild dieses Riesenslaloms war das eines provinziellen Rennens, und das lag am Zielraum, der bei Fernsehübertragungen oft eingeblendet wird. Da hast du ein katastrophales Labyrinth gesehen, und das ist von der FIS vorgegeben. Die Zäune verdecken die Läufer und Trainer, die ja auch oft eingeblendet werden. Die Werbebanner der Sponsoren sind unansehnlich verstreut, das sieht aus wie Kraut und Rüben.
War das nur ein Einzelfall?
Das Erscheinungsbild des Riesenslaloms ist ein Muster für die meisten Skirennen. Warum akzeptieren Vermarkter so etwas? Da muss ich sagen: Quo vadis, Ski-Weltcup? Die FIS kann lernen vom Biathlon, dort wird es wesentlich besser gemacht und auch auf die Ästhetik geachtet. Man muss sich doch ein Erscheinungsbild überlegen, das allen gerecht wird: dem Sponsor, dem Athleten, dem Vermarkter und dem Zuschauer vor Ort und zu Hause.
Warum passiert das nicht?
Ich weiß es nicht. Beim Veranstalter zum Beispiel steht oft das Finanzielle im Vordergrund. Wenn es etwas kostet, dann macht man es nicht. Aber mit dieser Einstellung werden wir den Skisport irgendwann beerdigen. Und auch wegen des Materialwahns der vergangenen Jahre. Er hat dazu geführt, dass wir in jeder Skiübertragung über Kreuzbandrisse reden. Das Wort Kreuzbandriss wird öfter erwähnt als der Ort, in dem das Rennen stattfindet. Skikommentare gleichen heute meistens medizinischen Bulletins. Die Folge ist, dass Eltern sagen, ich schicke mein Kind nicht zum Skirennsport.
Was ist die Lösung? Die Skifirmen werden die Materialspirale nicht zurückdrehen…
Aber es wird ja nicht einmal ernsthaft darüber diskutiert. Es geht ja so weit, dass die einzelnen Athleten nur noch Versuchskaninchen für neues Material sind.
Kommen wir zur Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen um die Austragung der Ski-WM 2025. Wie sehen Sie die Chancen?
Heutzutage muss man sich ja zwei- oder dreimal für eine WM bewerben, ehe man den Zuschlag bekommt.
Deshalb gilt auch Saalbach-Hinterglemm als Favorit, weil es sich bereits zum zweiten Mal bewirbt.
Da wird viel Geld hinausgeworfen. Warum vergibt man die WM nicht abwechselnd an die fünf, sechs Alpin-Orte, die sich als Austragungsorte bewährt haben? Da gehört Garmisch-Partenkirchen natürlich dazu. Außerdem könnte man sich dann den FIS-Kongress alle zwei Jahre sparen, der immer in den schönsten Ecken der Welt abgehalten wird: Neuseeland, Mexiko, Florida und in diesem Jahr fliegen alle nach Thailand. Das geht aber nicht in Zeiten, in denen über Nachhaltigkeit und das Klima diskutiert wird. Einen FIS-Kongress könnte man auch im Vorfeld der Olympischen Spiele abhalten, denn da sind ja ohnehin alle Mitgliedsverbände da.
Was könnte Garmisch-Partenkirchen helfen?
Man kann diese WM-Bewerbung nur mit frischen Gesichtern machen und zwar mit prominenten Gesichtern. Meiner Meinung nach hat eine WM-Bewerbung nur Erfolg, wenn ich eine Doppelspitze Fritz Dopfer/Felix Neureuther installiere. Fritz ist dank seines Sportmanagement-Studiums kompetent und würde das wahnsinnig gerne machen. Felix wäre ein begnadeter Verkäufer dieser Geschichte in der Werbung. Zwei sympathische Medaillengewinner aus einem Ort, der eine vom SC Garmisch, der andere vom SC Partenkirchen. Man muss sie jetzt schon einbinden, auch schon für den Weltcup, und nicht meine besten Pferde im Stall für eine zweite oder dritte Bewerbung aufsparen. Der Präsident des Österreichischen Skiverbandes, Peter Schröcksnadel, hat schon nachgefragt, ob wir bei der WM-Bewerbung unsere Ex-Läufer einbinden. Denn der Felix, hat er gesagt, könnte Saalbach gefährlich werden.
Bisher ist ja gar kein prominenter ehemaliger Skirennläufer eingebunden…
Das verstehe ich nicht. Warum lässt man nicht Markus Wasmeier als letzten Kandahar-Sieger am vergangenen Samstag bei der Siegerehrung den Pokal an Thomas Dreßen überreichen? In dem aktuellen Werbeclip, der am Samstag bei einer Pressekonferenz präsentiert wurde, ist keiner der erfolgreichen Skirennläufer aus Garmisch-Partenkirchen und der Region zu sehen. In so einem Bewerbungsfilm müssen doch Maria Höfl-Riesch, Felix Neureuther und Fritz Dopfer mitmachen. Ich möchte aber betonen, dass meine Kritik dem Wohl des Skisports dient und sich ausdrücklich nicht gegen verdiente Funktionäre richtet.
Interview: Elisabeth Schlammerl