„Den Kiel-Krimi werde ich nicht vergessen“

von Redaktion

Der TSV 1860 trifft auf Meppen – es gibt ein Wiedersehen mit dem Ex-Löwen Valdet Rama

München – Das Auswärtsspiel des TSV 1860 beim SV Meppen – es wird auch ein Wiedersehen mit Valdet Rama (32). Von 2014 bis 2016 stürmte der Ex-Nationalspieler Albaniens (15 Einsätze) bei den Löwen. Was er über seine Zeit in Giesing denkt und wie er die Löwen heute sieht – im Interview steht’s.

Valdet, was ist das Erste, das Ihnen beim Stichwort Sechzig in den Kopf schießt?

Der Moment, als Kai (Bülow) den Pfosten-Abpraller gegen Kiel über die Linie gedrückt hat (im Relegations-Rückspiel 2015, Endstand 2:1/Anm. d. Red.). Diese Erleichterung, diese Jubel-Explosion in der Arena – den Abend werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

Von Ihnen kam der Schuss, der bei diesem Krimi das Happy End in der Nachspielzeit erst ermöglichte.

Ich hab die Lücke gesehen, der Rest ging ganz automatisch. Wenn ich jetzt wieder dran denke, dann krieg ich immer noch Gänsehaut (lacht).

Allzu viel Positives haben Sie bei 1860 ja auch nicht erlebt …

Das stimmt. Im Grunde war es diese Rettung gegen Kiel – und dann in der nächsten Saison noch mal das glückliche Ende, als wir mit Daniel Bierofka die letzten drei Spiele gewonnen haben. Den Support der Fans muss ich noch nennen, das war schon außergewöhnlich. Ansonsten gab’s halt viel Unruhe. Aber das gehört bei 1860 dazu.

Auf einen neuen Vertrag in München konnten Sie sich nicht einigen. Ihre nächste Station waren die frisch in die Zweite Liga aufgestiegenen Würzburger Kickers. Was ist dort schiefgelaufen?

Das frag ich mich bis heute. Wir haben eine super Hinrunde gespielt, aber dann sind wir in einen Negativlauf reingeraten, den wir nicht mehr stoppen konnten. Es war zum Verzweifeln.

Ihre nächste Station hieß Yanbian Funde, ein chinesischer Zweitligist an der Grenze zu Nordkorea. Was hat Sie dahin verschlagen?

Durch den Abstieg mit Würzburg war ich vertragslos. Yanbian war das erste Angebot, das gekommen ist. Ich wollte damals einfach nicht lange zögern und hab mir gedacht, das probier ich jetzt aus. Sportlich war’s am Anfang auch echt okay, aber dann gab’s einen Trainerwechsel und der Neue hat auf andere Ausländer gesetzt – es durften nur drei spielen. Nach einem Jahr haben wir das dann beendet. Ich wollte auch einfach wieder nach Deutschland zu meiner Familie, zu meinen zwei kleinen Töchtern.

Sie haben fast das ganze Jahr 2018 pausiert. Was hat Sie bei der Stange gehalten?

Ganz wichtig war Torsten Fröhling. Wir wohnen in Hagen – er hat mir als Trainer von Schalke II die Möglichkeit gegeben, dass ich mich in Gelsenkirchen fit halte. Ende des Jahres hat sich dann die Gelegenheit ergeben, dass ich für sechs Monate zum FK Kukesi nach Albanien wechsle, um Spielpraxis zu bekommen. Und dann kamen die Anfragen aus der Dritten Liga. Meppen hat sich am meisten bemüht – von dort aus kann ich auch mal pendeln, wenn wir frei haben. Die 180 Kilometer nach Hagen schaff ich in knapp zwei Stunden – wenn’s gut geht in einsvierzig.

Mit Meppen sind es elf Vereine in 15 Jahren. Reicht’s jetzt mit dem Wandervogel-Dasein?

(lacht) Ja, erst mal hab’ ich genug davon. Meppen war eine gute Entscheidung, das ist ein familiärer Verein mit richtig Qualität in der Mannschaft. Das 2:0 in Magdeburg letzte Woche (mit Rama-Tor, d. Red.) war extrem wichtig für die Birne. Der erste Sieg im neuen Jahr. Da wollen wir am Samstag weitermachen.

Mit wem haben Sie denn noch Kontakt bei 1860?

Es sind nur noch Sascha (Mölders) und Felix (Weber) da aus meiner Zeit. Großen Kontakt gibt’s da nicht, aber ich freu mich drauf, die Jungs am Samstag zu sehen. Auf Sascha müssen wir verdammt aufpassen, der alte Junge hat echt einen Lauf.

Ihre Prognose?

Sechzig spielt inzwischen echt guten Offensiv-Fußball. Aber wir haben das Zeug dazu, ihre Serie zu beenden.

Interview: Ludwig Krammer

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