Was Thomas Dreßen für den deutschen Wintersport in dieser Saison schon geleistet hat, zeigt sein 3. Platz gestern beim Super-G in Saalbach-Hinterglemm. Noch vor wenigen Jahren wäre dieser Podest-Platz von Fans und Medien begeistert gefeiert worden. In der (neuen) Liga von Thomas Dreßen 2020 ist er nur eine Randnotiz. Zu beeindruckend sind die übrigen Resultate des 26-Jährigen.
Schon jetzt hat sich der Geschwindigkeitsspezialist in den Sport-Geschichtsbüchern verewigt. Mit seinem Abfahrtssieg am Donnerstag gewann er als erster deutscher Skirennfahrer zwei Abfahrten in Serie. Zuvor triumphierte Dreßen in dieser Saison vor knapp zwei Wochen beim Heimspiel in Garmisch-Partenkirchen. Mit fünf Abfahrtssiegen in seiner noch jungen Karriere ist er ohnehin bereits alleiniger deutscher Rekordhalter.
Allein in dieser Saison grüßte er die Konkurrenz dreimal von der höchsten Podiumsstufe – in Lake Louise, Garmisch-Partenkrichen und Saalbach-Hinterglemm. Und das alles nach seiner dramatischen Verletzung vom 30. November 2018, als Dreßen das vordere Kreuzband riss und er sich zusätzlich eine Luxation der Schulter zuzog.
Vor dieser Saison war die Sorge beim Deutschen Skiverband groß, ob der Rücktritt von Galionsfigur Felix Neureuther kompensiert werden könne. Die Funktionäre rechneten eher mit einem tristen Übergangsjahr. Nur Thomas Dreßen spielte bei ihrer Zeitrechnung nicht mit. Zu talentiert und erfolgshungrig präsentiert sich der fünffache Weltcupsieger.
Seine Erfolge strahlen inzwischen weit über den Schnee hinaus: Dirk Nowitzki ist zurückgetreten. Genau wie Bastian Schweinsteiger. Viele noch aktive Fußballer haben ihren Zenit überschritten. Sebastian Vettel schwächelt in der Formel 1 und Tennisspieler Alexander Zverev berührt (noch) nicht die Sportherzen. Der schwarz-rot-goldene Sport-Olymp ist derzeit nicht besetzt.
Mit Thomas Dreßen ist ein deutscher Sportler wieder bereit, diesen Berg zu besteigen.
Daniel.Mueksch@ovb.net