Iserlohn/München – Eine Eishockey-Phrase, die Trainer – und die meisten kommen ja aus Nordamerika – gerne bemühen, lautet: „We ran into a hot goaltender.“ Heißt: Die andere Mannschaft hatte einen Torhüter, der so gut war, dass er seine Mitspieler an sich wachsen ließ. Solch ein Erlebnis hatte der EHC München am Freitagabend in Iserlohn: Er gewann – aber viel knapper, als es hätte sein müssen. Das 4:2 (2:1, 0:0, 2:1) entsprach nicht den Kräfteverhältnissen zwischen Tabellenführer und Vorletztem.
Das Team von Trainer Don Jackson scheiterte serienweise an Iserlohns Torhüter Andreas Jenike, 31. Der frühere Bad Tölzer – eigentlich ständig auf dem Sprung, um die Geburt des zweiten Kindes nicht zu verpassen – lieferte eine Glanzleistung ab. „Man müsste halt die Scheibe mal ins Tor bringen“, sagte Konrad Abeltshauser in der zweiten Drittelpause genervt. Doch in der 56. Minute war Jenike das entscheidende Mal geknackt. Trevor Parkes erspielte den Siegtreffer für den EHC – zuvor hatte Verteidiger Yannic Seidenberg, der sich seinem 1000. DEL-Spiel nähert (siehe Seite 32 dieser Ausgabe), zweimal getroffen (9./13.). Das 4:2 war ein Empty-Net-Goal – gut getimt: 0,1 Sekunden vor Schluss. Seidenberg sagte: „Wir haben viele hundertprozentige Chancen nicht genutzt. Gewackelt haben wir aber nicht.“
Die Roosters haben ihren Kader mangels Playoff-Chance und um Kosten zu reduzieren für den Rest der Saison entschlackt, Alexandre Grenier, ihr begabtester Stürmer spielt seit einer Woche auf Leihbasis beim HC Lausanne in der Schweiz. Die Münchner haben auch noch nicht den kompletten Personalbestand zur Verfügung, in Iserlohn fehlten weiterhin Danny Aus den Birken (Tor), Bobby Sanguinetti (Abwehr), Patrick Hager, Derek Roy und Mads Christensen (Angriff), bis auf Christensen ist ein baldiges Comeback aber bei allen in Reichweite. Der Kanadier Roy, seit dem vierten Spieltag der DEL-Saison auf der Ausfallliste, trainiert wieder normal mit, am Mittwoch durfte er das signalrote Trikot, das die Kollegen warnt, ihn nicht hart zu attackieren, erstmals ablegen. Kommende Woche wird er wohl wieder spielen.
Interessant: Im Tor erhielt Daniel Fießinger erneut den Vorzug vor Kevin Reich; als Nummer drei und in erster Linie auf dem Ticket von Kooperationspartner SC Riessersee in die Saison gestartet, ist er seit gestern nach gespielten Minuten sogar die Nummer eins.
Durch den 4:2-Erfolg am Seilersee wahrte der EHC seinen Vorsprung von sechs Punkten auf Mannheim.