München – Zwei Wochen stehen die Bayern nun schon wieder dort, wo sie dem rotweißen Selbstverständnis nach immer sein sollten: nämlich ganz oben. Der Sonntagsausflug nach Köln soll daran nichts ändern, zumal die Münchner trotz mehrerer Schreckmomente unter der Woche mit Bestbesetzung in die Domstadt fahren werden. Bis auf Javi Martínez, Ivan Perisic und Niklas Sülle, allesamt langzeitverletzt, sind alle Mann an Bord – auch Manuel Neuer, der zwar am Donnerstag wegen Magen-Darm passen musste, am Freitag jedoch wieder mit von der Partie war. Alphonso Davies (Knöchelprobleme) und Joshua Kimmich (Erkältung) reisen ebenfalls mit an den Rhein.
Dort erwartet den FC Bayern ein beherzter FC, der erst jüngst den SC Freiburg mit 4:0 demontierte. Auch Bayern-Trainer Hansi Flick ist sich der aktuellen Form der Gastgeber der Kölner bewusst und warnte daher eindringlich vor dem Gastspiel im Rhein-Energie-Stadion. Das Team von Trainer Markus Gisdol sei „eine Mannschaft, die wehtun kann, wenn man zu nachlässig ist“, erklärte der Cheftrainer des Rekordmeisters. „Das wollen wir nicht zeigen“, fügte er an. Damit das nicht passiert, könnte Flick gegen die Kölner erneut auf drei linke Füße setzen. Gemeint ist natürlich die Hintermannschaft der Bayern, die nun schon seit einiger Zeit in Davies und David Alaba aus zwei Linksfüßen besteht. Die Frage ist nur: Werden es wie im Spitzenspiel gegen RB Leipzig am vergangenen Sonntag sogar drei Linke?
Beim 0:0 gegen den Tabellenzweiten nahm Flick Jerome Boateng für den erst wieder fit gewordenen Lucas Hernandez vom Feld, schob Alaba dafür auf die ungewohnte rechte Innenverteidigerposition und sorgte so für eine komplett neue Konstellation in der Abwehr des Rekordmeisters. Alaba selbst zeigte sich nach Schlusspfiff wenig angetan vom Experiment („Das war ungewohnt für mich“), eine Wiederauflage in Köln schloss der Trainer aber nicht aus.
Als Argument führte er die Besetzung aus dem vergangenen Jahr auf: Rechts Kimmich, in der Mitte Boateng und Mats Hummels, links Alaba – macht drei Rechts- und einen Linksfuß. Wichtig ist Flick indes nur, dass speziell seine wieder genesenen Spieler keinen Rückfall erleiden – und seine Mannschaft eine Woche vor dem Beginn der englischen Wochen mit dem Auswärtsspiel in der Champions League bei Chelsea nicht erneut vor Probleme stellen.
Die Rede ist von Hernandez sowie Kingsley Coman, die zwar im Kader sind, jedoch nicht unbedingt in der Startelf stehen müssen. „Sie brauchen Spielpraxis“, so Flick. Er ergänzte: „Sie müssen dann fit sein, wenn die englischen Wochen beginnen.“ Für Hansi Flick ist die Reise nach Köln eine Reise in seine sportliche Vergangenheit. Die damals stolze Summe von 1,5 Millionen Mark bezahlte der FC 1990, um Flick von der Isar an den Rhein zu locken. Bis 1992 absolvierte Flick 54 Spiele für die Kölner. Einer seiner Mitspieler zu jener Zeit war FC-Sportchef Horst Heldt. Eines der besten Flick-Spiele im Kölner Trikot: am 13. Oktober 1990, als er seinen Ex-Arbeitgeber aus München mit 4:0 in die Knie zwang.
Doch in Köln war der heutige Bayern-Coach auch vom Pech verfolgt. Bereits mit 28 Jahren musste Flick beim Geißbock-Verein seine Karriere nach zahlreichen Knieverletzungen beenden.