Eines der bedeutendsten internationalen Spiele seines Clubs Borussia Dortmund hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nicht in kompletter Länge verfolgt. Während des Halbfinal-Rückspiels 2013 bei Real Madrid verzog sich „Aki“ auf die Toilette des Bernabeu-Stadions. Watzke war zu nervös, um es auf dem Stadionsitz auszuhalten – und: Es drängte ihn danach, zu rauchen. Den spanischen Kronprinzen, neben dem er in der Loge saß, wollte er nicht vollqualmen. Ob Aki Watzke auch heute Abend plötzlich nicht mehr zu sehen sein wird auf seinem angestammten Platz im Westfalenstadion, wenn der BVB gegen Paris Saint Germain spielt? Er könnte gefährdet sein: Aus seiner Sicht ist ja kaum eine brisantere Begegnung vorstellbar als die mit Thomas Tuchel, dem ungeliebten Ex. Die Lunge verlangt nach tiefen Zügen.
Die Champions League, die nach ihrer absehbar verlaufenen Gruppenphase nun so richtig losgeht, liefert jedenfalls wieder wunderbare Geschichten. Dass das Achtelfinale Dortmund mit seinem ehemaligen Coach Tuchel und PSG zusammenführt, ist wie bestellt – und als hätte die UEFA vor der Auslosung die Kugeln entsprechend angewärmt. Auch Real Madrid gegen Manchester City – großartig, und die UEFA heizt es mit ihrem Financial-Fair-Play-Entscheid noch an: Königsgeld (gut) gegen Scheichgeld (böse). Und schließlich ist auch FC Chelsea gegen die Bayern eine mit viel Gespür für geschichtlichen Kontext ausgesuch. . . ausgeloste Paarung.
Erst aber mal Lucien Favre gegen Thomas Tuchel – zwei im Duell, die (vielleicht) verbindet, dass sie es Dortmund nicht recht machen konnten und können. Tuchel musste gehen, obwohl er den DFB-Pokal gewann. Favre könnte Deutscher Meister werden, das ist nicht unrealistisch, doch die Zweifel an ihm sind schon so sehr angewachsen, dass man eine Wende in dieser Saison der Winter-Einkaufspolitik (Haaland, Can) seinen Bossen zuschreiben würde. Die Champions League muss Favre nicht gewinnen, aber er darf auf keinen Fall im Achtelfinale gegen Tuchel verlieren. Viertelfinale wäre unter den Umständen ein Triumph – eine gefühlte Finalteilnahme.
Ein Traum für Aki Watzke wäre ein Dortmunder Viertelfinale gegen Liverpool, also Jürgen Klopp. Tiefenentspannt würde er es verfolgen, denn sicher käme ja eine seiner beiden großen Lieben weiter. Der Verein, den er rettete, oder der Trainer, den er erfand.
Guenter.Klein@ovb.net