Immer wieder zwei Gesichter

von Redaktion

Auch beim Sieg in Köln zeigte der FC Bayern nur eine richtig starke Halbzeit

VON JOSÈ CARLOS MENZEL LÒPEZ

München – Hansi Flick ist fertig. Das liegt zum einen an einer bösen Erkältung, die den Cheftrainer der Bayern am Sonntag in Köln sogar am Interviews geben hinderte, zum anderen aber auch am Licht- und Schattenspiel seiner Mannschaft.

Wie schon gegen Mainz (3:1), Hoffenheim (4:3) und Leipzig (0:0) hielt sich seine Mannschaft auch in Köln (4:1) brav an das aktuelle Motto: Erst hui, dann pfui. Die Zuschauer sahen eine erste Halbzeit zum Dahinschmelzen, Zauberfußball und schnellste 3:0-Auswärtsführung der Bundesligageschichte (zwölf Minuten), aber auch eine zweite Halbzeit zum Vergessen. Dass dem Meister an der Rheinmetropole am Ende nicht doch die Flatter ging, lag an den Abseitstoren der Kölner und einem glänzend aufgelegten Manuel Neuer.

Eine Woche vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Königsklasse gegen Chelsea hat sich der Status quo nicht verändert: Bayern pendelt zwischen Genie und Wahnsinn. Sehen die Protagonisten nicht anders. „In den ersten zehn Minuten waren wir sehr effizient, danach leider nicht mehr so“, konstatierte Bayerns Vorlagenkönig Thomas Müller. „Es ist leider das aufgetreten, was wir schon öfter gesehen haben. Wir machen es uns etwas zu bequem, nicht mehr jeder Spieler macht mit. Manu hat dann überragend gehalten. Aber gegen Chelsea müssen wir diese Verhalten unbedingt abstellen.“

Gerade den gesundheitlich angeschlagenen Flick schienen die zwei Gesichter seiner Mannschaft diesmal endgültig auf die Palme zu bringen. Bei jeder zweiten Aktion verzog er das Gesicht, blickte hilfesuchend in Richtung Bank, winkte teilweise sogar ab. „Die zweite Halbzeit war zu pomadig“, erklärte er bei Sky, bevor ihm der Katarrh einen Strich durch das Interview machte.

Doch woran liegt der plötzliche Stimmungswandel der Münchner nach dem Pausentee? Fakt ist: Die letzte Genauigkeit im Passspiel geht verloren, das Stellungsspiel lässt plötzlich ebenfalls zu wünschen übrig und der letzte Meter wird nur dann gemacht, wenn kein Weg an ihm vorbeiführt. Auch das Abwehrverhalten lässt zu wünschen übrig, speziell nach der Einwechslung von Lucas Hernandez, der nach seiner langen Verletzung noch einen weiten Weg vor sich hat bis zur Topform.

„Es war ein Test, ob wir gegen Chelsea so spielen können“, so Neuer zu den drei Linksfüßen Davies, Alaba und Hernandez in der Viererkette. „Bei so einem Halbzeitstand kann man es mal probieren.“ Der bipolare FC Bayern birgt jedenfalls Risiken, gerade in der K.o.-Phase der Königsklasse, wo ein Auswärtstor alles verändern kann. „Man muss im Fußball immer aufpassen, ich habe schon viel erlebt“, warnte Manuel Neuer nach Abpfiff. Seinen Paraden war es zu verdanken, dass die Bayern in Köln hinten raus nicht doch mehr ins Schwitzen gerieten als ihnen lieb war.

Der Kapitän weiter: „Mich ärgert einfach, dass wir nicht konstant so weitergespielt haben und uns das Leben selbst schwer machen. Das 4:1 ist positiv, aber man ärgert sich schon, dass man es nicht durchgezogen hat.“ Und das nun schon seit vier Partien in Folge. Bei nur einem Punkt Vorsprung auf den Tabellenzweiten Leipzig sollte das den Bayern zu denken geben.

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