Stabhochsprung

Lobinger prangert deutsche Komfortzone an

von Redaktion

Der frühere Weltklasse-Stabhochspringer Tim Lobinger ist mit der heutigen Generation um Ex-Weltmeister Raphael Holzdeppe hart ins Gericht gegangen. „Viele leben in einer Komfortzone, so groß wie ein Bundesland. Ich sehe nicht, dass unsere Leistungsträger den Mut haben, auch mal andere Wege zu gehen“, sagte der 47-jährige Wahl-Münchner. „Raphael hat mehr Wettkämpfe abgesagt und ausfallen lassen, als ich trainingsfreie Tage in meiner gesamten Karriere gehabt habe! Und diese Statistik stimmt.“ Grundsätzlich befand Lobinger: „Wir stagnieren im Männer-Stabhochsprung schon lange. Auf den Aufschwung warte ich immer noch. Die lullen sich einfach ein – das ist irgendwie lähmend.“

Während Schwedens Überflieger Armand Duplantis die Leichtathletik mit Weltrekorden begeistert, können die deutschen Stabhochspringer mit der absoluten Weltspitze kaum noch mithalten. Immerhin: Der Leverkusener Bo Kanda Lita Baehre, 20, war 2019 in Doha WM-Vierter.

„Was zählen Erfolge von gestern, wenn man noch aktiv ist und springt? Wer ist noch hungrig? Wer reflektiert sich denn überhaupt?“, fragte Lobinger. Wenn Holzdeppe dies tun würde, müsste er „weinen – und dann sofort in die Trainingshalle fahren“.

Holzdeppe, Weltmeister von 2013, reagierte auf die Schelte sehr souverän. „Ich bin Profi genug, um mit solchen Aussagen umgehen zu können und wünsche Tim und seiner Familie weiterhin alles Gute“, sagte der 30-Jährige.

Artikel 8 von 11