Mannheim hat an Tiefe verloren

von Redaktion

Was den EHC München im Spitzenspiel der DEL erwartet – Seidenbergs 1000. Match

VON GÜNTER KLEIN

München – Beim 2:1 am Sonntag gegen Bremerhaven fehlten dem EHC München wieder einige Stammkräfte, Emil Quaas, der selten dabei ist und wenn, dann als Verteidiger, musste im Sturm aushelfen, damit die vierte Reihe komplett besetzt war. Heute (19.30 Uhr) tritt der EHC bei den Adlern Mannheim an – und keiner von der Verletztenliste (Aus den Birken, Sanguinetti, Hager, Roy, Christensen) wird zur Verfügung stehen. Trainer Don Jackson sagt trotzig: „Wir haben genügend Spieler, um in Mannheim zu gewinnen.“

Mannheim – München, das Spiel der Schwergewichte, finanziell, konzeptionell. „Zwei Teams, von denen jedes glaubt, es ist das bessere“, umreißt es Frank Mauer, der früher für Mannheim stürmte und nun für München. Auch er glaubt, dass die vierte Hauptrundenbegegnung nicht die letzte sein muss für diese Saison. Auf Wiedersehen in den Playoffs – im Finale. Wie 2019, als Mannheim in fünf Partien gewann.

Die Lage vor dem heutigen Aufeinandertreffen:

Form: Der EHC liegt acht Punkte vor Mannheim, bei sieben noch zu absolvierenden Spieltagen ein Pfund. Allerdings: Der Vorsprung resultiert aus der Frühphase der Saison. Als es im November nach einem Drittel der „regular season“ in die Deutschland-Cup-Pause ging, hatte München 19 Zähler mehr als Mannheim. Die Bilanz aus den 28 Spielen seitdem: Mannheim 62, München 51. Die Adler verloren am Sonntag nach Verlängerung 3:4 in Berlin, erhielten aber gute Kritiken. Von EHC-Spielern dagegen vernahm man viel Selbstkritik nach einem schwachen Schlussdrittel gegen Bremerhaven.

Mannschaftsstruktur: Meister Mannheim ist an Kadertiefe einiges verloren gegangen. Moritz Seider, Verteidiger-Jungstar von 2019, hat sich zum Wechsel nach Nordamerika entschieden, ebenso der fest eingeplante Nationalstürmer Lean Bergmann. Mit Markus Eisenschmid fällt einer der besten deutschen Angreifer zum zweiten Mal für längere Zeit verletzt aus. Vorige Saison wurde mit Marcus Kink ein etablierter Spieler überzählig, derzeit muss Trainer Pavel Gross den Kader mit dem zwischenzeitlich nach Iserlohn verliehenen Janik Möser und Nachwuchsmann Valentino Klos auffüllen. Die Probleme sind also ähnliche wie in München.

Talent: München hat Spaß mit seinen jungen Wilden Justin Schütz (12 Scorerpunkte) und John-Jason Peterka (10) – doch der 18-jährige Mannheimer Tim Stützle steht noch eine Stufe höher (30 Punkte in 34 Partien). Ein herausragender Einzelkönner bei den Adlern ist der kroatische Stürmer Borna Rendulic. Sein letztes Match ohne Scorerpunkt war am 28. Dezember. Neulich verwandelte der 27-Jährige drei Penaltys in einem Spiel.

Stimmung: Zwischen den Clubs besteht herzliche Abneigung. Heute ist zunächst aber Freundlichkeit angesagt: Yannic Seidenberg, Ex-Mannheimer, nun Münchner, wird für sein 1000. DEL-Spiel geehrt. Gönnt man ihm auch an alter Wirkungsstätte.

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