Rassismus-Skandal erschüttert Portugal

von Redaktion

Porto-Profi verlässt nach Beleidigungen den Platz – Staatspräsident meldet sich zu Wort

Guimaraes – Nun wird auch Portugal von einem Rassismus-Skandal erschüttert. Nach den Beleidigungen und Affenlauten gegen FC-Porto-Profi Moussa Marega meldete sich sogar der Regierungschef zu Wort. „Kein Mensch sollte einer solchen Erniedrigung ausgesetzt werden“, schrieb Ministerpräsident António Costa am Montag auf Twitter. Der Politiker, dessen Vater aus dem indischen Goa stammt, betonte nach dem Vorfall beim Liga-Spiel zwischen Vitoria Guimarães und dem FC Porto, Rassismus sei „ein Verbrechen“ und „inakzeptabel“. Costa betonte zudem: „Niemand kann gleichgültig bleiben.“

Marega hatte am Sonntagabend wenige Minuten nach seinem Siegtor zum 2:1 (60.) wütend das Spielfeld verlassen, weil Fans ihn beleidigt und Affengeräusche gemacht hatten. Der Fußball-Nationalspieler aus Mali ließ sich weder von seinen Teamkollegen noch von Trainer Sérgio Conceição oder Profis des Gegners von seinem Vorhaben abbringen. „Wir sind alle Marega“, titelte am Montag die Fachzeitung „A Bola“. „Tore habe keine Farbe“, lautete die Schlagzeile der Zeitung „Jornal de Noticias“.

Für seine Entschlossenheit, das Spielfeld zu verlassen, erntete der 28-Jährige breite Anerkennung. „Marega 5:0 gegen Rassismus“, titelte auf Seite 1 die Sportzeitung „Record“. Ministerpräsident Costa lobte: „Marega hat gezeigt, dass er nicht nur ein großer Fußballer, sondern auch ein großer Mensch ist.“

Auf dem Weg in die Kabine streckte Marega beide Daumen nach unten. Als die Beleidigungen nicht aufhörten, zeigte er beide Mittelfinger. Von versöhnlichen Worten wollte der Profi, der am Donnerstag in der Europa League bei Leverkusen antritt, nichts wissen. Auf Instagram zürnte der „diesen Idioten, die ins Stadion gehen, um rassistische Schreie auszustoßen“.

Marega ärgerte auch der Umstand, dass der Schiedsrichter ihn nach dem Tor verwarnte, weil er beim Jubeln einen der Sitze über dem Kopf gehalten hatte, die von Fans aufs Feld geworfen worden waren. „Und ich bedanke mich bei den Schiedsrichtern, dass sie mich nicht verteidigt und mir die Gelbe Karte gezeigt haben, weil ich meine Hautfarbe verteidigt habe.“ Den Unparteiischen Luis Miguel Godinho bezeichnete er als „eine Schande“, er wolle ihn „nie wiedersehen“.

Laut Trainer Sérgio Conceição sei Marega sei schon beim Aufwärmen beleidigt worden. Beim Eklat hatte er Richtung Fans geschrien: „Das ist eine Schande, verdammt nochmal!“ Der FC Porto bezeichnete den Zwischenfall als einen „Tiefpunkt“ des Fußballs in Portugal.  dpa

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