München – Das gebrochene Jochbein wurde in einer OP geflickt, die Spezialmaske sitzt und findet im Reha-Training bereits Verwendung –das Derby mit dem HSV gegen St. Pauli am morgigen Samstag kommt für Adrian Fein (20) aber trotzdem zu früh. Fein wird also nie mehr in den Genuss kommen, im Hamburger Volkspark-Stadion ein Nord-Derby zu bestreiten. Denn: Im Sommer geht es für die Bayern-Leihgabe definitiv zurück nach München, darum wurde Feins Vertrag Ende Dezember vorzeitig bis 2023 verlängert.
Die HSV-Verantwortlichen wurden über diesen Schritt bereits informiert und respektieren die Entscheidung des Mittelfeldspielers. Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Chefscout Marco Neppe überzeugten das Eigengewächs mit einem detaillierten sportlichen Konzept von einer Rückkehr an die Säbener Straße. Der gesamte Club bemühte sich um ein München-Comeback von Fein und vermittelte ihm dadurch das Gefühl, künftig eine Rolle beim Rekordmeister spielen zu können.
Der Noch-Hamburger hat am Beispiel von Alphonso Davies gesehen, wie schnell ein junger Spieler plötzlich wichtig für den FC Bayern werden kann. Mit seiner Größe von 1,86 Metern kann Fein dem Münchner Mittelfeld-Zentrum zumindest eine Körperlichkeit geben, die aktuell mit Joshua Kimmich und Thiago nicht vorhanden ist.
Stefan Kuntz, der Fein bei der U 21 trainiert, traut ihm den Schritt zu den Bayern zu, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät: „Bei Adrian hat man sofort gesehen, dass Spielpraxis das A und O ist auf hohem Niveau. Spielpraxis ist alles in dem Alter. Er hat beim Hamburger SV überraschend schnell eine sehr dominante Rolle eingenommen. Aus meiner Sicht ist er häufig dafür verantwortlich, dass der Matchplan in der Offensive, im Spielaufbau umgesetzt wird.“ Kuntz weiter: „Adri ist ein ruhiger Vertreter seiner Zunft, ein nachdenklicher junger Mann. Jetzt geht es darum, nach seiner Verletzung wieder Fuß zu fassen, um später unter einer noch größeren Druck-Situation im Aufstiegskampf seine Leistung abzurufen.“
Seine Zukunft in München blendet Fein derzeit komplett aus, er möchte den HSV unbedingt als Aufstiegsheld verlassen. Wegen seiner Spielweise als Sechser (aggressive Zweikampfführung, Spielaufbau aus der Tiefe, Flugbälle zur Spielverlagerung) wird Fein häufig mit dem früheren Bayern-Idol Bastian Schweinsteiger verglichen. Ab kommenden Sommer kann Fein zeigen, ob er diesen Vorschusslorbeeren gerecht wird. MANUEL BONKE