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von Redaktion

Offiziell denkt Flick vor Paderborn nicht an Chelsea – und seine Schicksalsspiele

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Der letzte Ausrutscher gegen ein Schlusslicht ist zwölf Jahre her. Am 15. März 2008 verlor der FC Bayern mit 0:2 bei Energie Cottbus. Eine echte Überraschung war das, für die damalige Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld aber nur ein kleiner Dämpfer. Am Ende der Saison wurde sie Meister. Und seitdem hat der FC Bayern bis zum heutigen Duell mit dem SC Paderborn (20.30 Uhr) in 22 Partien gegen ein Bundesliga-Schlusslicht nicht verloren.

Etwas anders sieht es da mit der Bilanz in Champions-League-Achtelfinals aus. Denn das Aus gegen den späteren Sieger FC Liverpool liegt noch kein Jahr zurück, wenn am Dienstag beim FC Chelsea das diesjährige Hinspiel der ersten K.o.-Runde ansteht. Das 1:3 im eigenen Stadion war schmerzhaft, und es ist kein Geheimnis, dass ein Weiterkommen in der Königsklasse heuer im Verein als unabdingbar angesehen wird. An den beiden Spielen gegen Chelsea hängt so vieles – die Trainerfrage, die Kaderplanung, etliche Vertragsverlängerungen. Auch wenn es niemand zugeben will, lautet die Devise dieser Tage: Paderborn abhaken, auf London konzentrieren.

„Es wäre ein Fehler, wenn wir schon einen Schritt weitergehen“, sagte Hansi Flick gestern und mahnte zum Motto „Step by Step. Jedes Spiel steht für sich.“ Der Trainer ist sich mit Blick auf seine erfahrenen Spieler sicher, dass sie „ihren Job so machen, wie es sich gehört“. Man müsse „als Team da sein, wenn es wichtig ist. Wenn das anders wäre, wären sie im falschen Beruf und im falschen Verein.“ So weit die offizielle Version.

Natürlich ist es nur logisch, dass im Hintergrund längst die Taktik für das Gastspiel in London ausgeklügelt wird. Dass Flick in der Abwehr zum Umbau gezwungen ist (siehe Text unten), passt nicht allzu gut in den Kram. Zudem wurde bereits intensiv Ursachenforschung über den anhaltenden Leistungsabfall in zweiten Halbzeiten betrieben. „Nicht zufrieden“ war Flick oft mit den zweiten 45 Minuten, und er wurde konkret: „Ich wünsche mir da mehr Cleverness.“ Wenn man – wie zuletzt in Mainz, gegen Hoffenheim und in Köln – schnell hochführe, müsse man „auch mal den Ball und den Gegner laufen lassen“. Nicht nur Flick hat das Gefühl, „dass wir dann aber mit Initiative und Laufbereitschaft einen Schritt zurückgehen“.

Auch beim 3:2 im Hinspiel in Paderborn – damals war Flick noch Co-Trainer von Nico Kovac – wurde es am Ende noch eng, „Wir müssen deshalb diesmal hellwach sein“, sagt Flick. Das 250. Pflichtspiel in der Allianz Arena soll so enden, dass man den Trip an die Themse am Montag mit einem guten Gefühl antreten kann. „Überwiegend tollen Fußball“ hat der FC Bayern laut Flick unter seiner Führung bisher gezeigt. So soll es weitergehen.

Apropos weitergehen: Flick wirkte gestern so, als sei ihm durchaus bewusst, welche Auswirkungen die Chelsea-Spiele auf seine persönliche Situation haben. Er sagte zwar: „Was kommt, liegt in den Sternen“, ließ aber durchblicken, dass er den Verhandlungen abseits des Platzes selbstbewusst entgegentritt. Eine angeblich zu späte Deadline im Mai dementierte er, über externe Angebote wollte er nicht sprechen. Er gehe davon aus, dass der Verein eine Entscheidung treffe, „wenn er überzeugt ist“.

Sollte er dann nicht der geeignete Trainer sein, „geht meine Welt auch nicht unter“. Ein Sieg gegen das Tabellenschlusslicht dürfte die Bosse nicht final überzeugen. Aber einer in London.

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