Nun hat der Videobeweis seinen Einstand also auch in der Europa League gefeiert. Und auch auf dieser Ebene ist am Donnerstag schnell klar geworden: Der Diskussionsbedarf im Profifußball wird durch den VAR nicht verringert – im Gegenteil: Der Kölner Keller ist auch in seiner mobilen Variante ein Garant für große Gefühle.
„Da wird man fünfmal in den Himmel gehoben und kriegt fünfmal wieder einen auf den Kopf“, fasste es Leverkusens Lars Bender nach dem 2:1-Sieg gegen Porto treffend zusammen. „Aber diesmal sind die Entscheidungen zum Glück für uns gefallen.“ Hin und her und wieder hin – ja, es gibt immer noch Neues in Sachen VAR. Keiner der Beteiligten an diesem K.-o.-Spiel konnte sich an eine Situation erinnern, in der ein Tor wie das von Lucas Alario (29.) erst gegeben, dann wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannt und schließlich doch gewertet wurde. Und dass ein Elfmeter wie der zunächst verschossene von Kai Havertz (57.) durch Eingreifen des elektronischen Adlerauges wiederholt werden muss, weil sich der Torhüter zu früh bewegt hat, war eine Premiere im Europacup.
„Einen Elfer zu verschießen, ist immer bitter. Aber am Ende ist mir das scheißegal, weil der zweite drin war“, kommentierte Havertz. Er sei unabhängig davon „ein Befürworter des Videobeweises“, auch wenn die Jahreszeit aktuell nicht die günstigste sei.“ Havertz: „Natürlich ist es sch…, wenn man während der Entscheidung zwei, drei Minuten in der Kälte stehen muss. Aber das bringt die Regel so mit sich. Am Ende wird es gerechter.“
Eine Erkenntnis, die auch die größten Kritiker des VAR nicht abstreiten können. Das Problem bleiben die ungeklärten Fragen nach dem Wann und Wo des Einsatzes. Auch Leverkusens Trainer Peter Bosz verneinte die Frage, ob er den Elfmeter hätte wiederholen lassen. „Ich nicht. Aber ich bin auch kein VAR.“ Bosz befürwortet den Videobeweis, er schätzt Gerechtigkeit durch Überprüfung. Aber auch der Niederländer mahnte an, dass man das Ganze „nicht übertreiben“ sollte. Ohne Klarheit keine Wahrheit.
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