München/London – Uli Hoeneß hatte gute Laune: Der Ehrenpräsident des FC Bayern trat gestern zusammen mit Ehefrau Susi die Auswärtsreise nach London an, wo heute das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Chelsea stattfindet.
Es ist das erste Mal, dass Hoeneß seit seiner Amtsniederlegung im November vergangenen Jahres eine Auswärtsreise begleitet. Während die Vorstandschaft um Karl-Heinz Rummenigge und das Präsidium um Herbert Hainer letzte Details im Airbräu besprachen, gönnte sich der langjährige Bayern-Patron keine hundert Meter entfernt mit Susi ein kleines Frühstück. Auch wenn Hoeneß nicht mehr aktiver Bestandteil des Tagesgeschäfts an der Säbener Straße ist, sieht er trotzdem wöchentlich nach dem Rechten.
Seine Meinung hat vor allem beim designierten Vorstandsboss Oliver Kahn, Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Präsident Herbert Hainer nach wie vor hohes Gewicht. Gestern erklärte Hoeneß: „Es wird ein schwieriges Spiel. Wir haben ja etwas gut zu machen.“ Seine Reiseteilnahme vermittelt auch eine klare Botschaft: Die Partie in Chelsea wird zur Chefsache! Das untermauerte auch die Tatsache, dass sich Rummenigge – und nicht wie zuletzt üblich Salihamidzic – vor Abflug zu den aktuellen Themen äußerte. Der Sportdirektor blies eine geplante Mixed Zone am Flughafen kurzerhand ab, weil der Vorstandschef zuvor offenbar bereits alles gesagt hatte. Rummenigge warnte: „Chelsea ist eine interessante Mannschaft mit einem Trainer, der noch recht jung im Geschäft ist. Wir wissen, was uns erwartet: Wir haben in der Vergangenheit zweimal in der Champions League gegen sie gespielt und es zweimal nicht geschafft.“ Im gleichen Atemzug fordert Rummenigge mindestens einen Treffer. Das sei vergangenes Jahr entscheidend gewesen: „Mit dem 0:0 in Liverpool hatten wir kein gutes Ergebnis. Ein Tor zu machen, wäre immer hilfreich!“
Gut für die Münchner, dass sie hierfür Robert Lewandowski in ihren Reihen haben. Allerdings ist der Torjäger in der K.o.-Phase der Champions League nun schon seit fast 600 Minuten ohne Treffer. „Robert ist absolute Weltklasse. Er hat uns am Freitag mit seinen zwei Toren auch die drei Punkte gerettet. Ich möchte daran erinnern: In Belgrad hat er in gefühlten zehn Minuten vier Tore gemacht. Über ihn zu diskutieren, wäre nicht angebracht, würde ich sagen“, so der Vorstandschef.
Mehr Diskussionspotenzial bietet da schon die aktuelle Performance von Philippe Coutinho. Über den 27-jährigen Mittelfeldspieler rätselt auch Rummenigge: „Er hat manche Spiele gut gespielt, manchmal vermittelt er den Eindruck, dass er gehemmt ist. Alle versuchen, ihn zu unterstützen. Wir müssen hoffen, dass er in den entschiedenen Wochen ein wichtiger Faktor wird.“ Nicht nur im Training, auch bei manchen Aktionen in Spielen zeige der Brasilianer, welche Klasse er habe.
Gestern ließ Trainer Hansi Flick seine Stars noch an der Säbener Straße trainieren, ehe die Mannschaft am Nachmittag mit einem separaten Flieger nach London nachreiste.
Uli Hoeneß fliegt mit nach London