Bilanz der Biathlon-WM

Kein Grund zur Selbstzufriedenheit

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Fünf Medaillen – die hatte sich der Biathlon-Cheftrainer Mark Kirchner für die WM in Antholz gewünscht, und die Seinen haben das erhoffte Edelmetall auch geliefert. Insofern lässt sich also nicht groß meckern. Karin Orgeldinger, die Sportdirektorin im Deutschen Skiverband (DSV), sprach gar von einem „hervorragenden Ergebnis“. Vor dem Hintergrund früherer deutscher Medaillenbilanzen sieht das Abschneiden allerdings nicht ganz so glänzend aus. Wohl mehr als ein Schönheitsfehler ist das Fehlen der Farbe Gold. In Antholz blieben die deutschen Skijäger ohne WM-Titel. Das gab es in den vergangenen 30 Jahren nur einziges Mal: 2013 in Nove Mesto. Und auch die in Antholz errungenen fünf Plaketten nehmen sich – im historischen Vergleich – nicht unbedingt als große Ruhmestat aus. Nur ein einziges Mal gab es weniger: ebenfalls im Krisenjahr 2013 (2).

Sicher, fünf Medaillen sind bestimmt nicht als Desaster zu werten. Aber sie sollten auch kein Anlass sein, sich in Selbstzufriedenheit zu üben. Schließlich ist Biathlon die Paradedisziplin des deutschen Wintersports, seit Jahrzehnten wurde in dieser Sparte höchstes Anspruchsdenken gepflegt. Diese Tradition verpflichtet. Nur zur Erinnerung: Es ist erst drei Jahre her, dass die DSV-Skijäger bei der WM in Hochfilzen sieben Mal Gold gewannen, Nr. 1 des Medaillenspiegels waren. Davon ist inzwischen aber nicht einmal mehr zu träumen.

Umso erstaunlicher, dass Sportdirektorin Orgeldinger in diesem Winter eine „stetige Weiterentwicklung“ bemerkt hat. Auch bei der WM seien junge Kräfte integriert worden, die künftige Erfolge absichern könnten. Nun, Tatsache ist, dass die Männer in den Einzelrennen von der internationalen Spitzenklasse abgehängt wurden. Seitens der jungen Garde machte allein Philipp Horn (25) mit Platz 8 im Sprint und starker Staffelleistung auf sich aufmerksam. Die Frauen stützten sich auf die etablierten Kräfte Denise Herrmann (31), Franziska Preuß (25) und Vanessa Hinz (27). Hinter dem Trio ist allerdings kein Talent sichtbar, das bis zu den Olympischen Spielen 2022 die Reihen verstärken könnte.

Somit drängte sich bei der WM auch der Befund auf, dass aus deutscher Sicht momentan nicht allzu viel dafür spricht, an die ganz großen Zeiten wieder anknüpfen zu können. Es bleibt zu hoffen, dass die Spartenführung die aktuellen Warnsignale auch wahrnimmt.

Armin.Gibis@ovb.net

Artikel 1 von 11