Gnabry-Show in 202 Sekunden

von Redaktion

Hochverdientes 3:0 der Bayern bei Chelsea stößt Tür zum Viertelfinale weit auf

VON AMELIE SCHNEEMEIER

London – Die Kartenwünsche, die Serge Gnabry in den vergangenen Wochen erreichten, konnte er nicht alle erfüllen. Wer bei Arsenal gespielt hat, beim 7:2 des FC Bayern gegen Tottenham im Herbst eine Sternstunde erlebt hat, bei dem kann man davon ausgehen, dass London ihm liegt. Und man wurde gestern Abend im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Chelsea bestätigt. 202 Sekunden benötigte Gnabry für den Doppelpack (51./54.), der die Tür zum Viertelfinale weit aufgestoßen hat. Robert Lewandowski (76.) besorgte den Endstand – 3:0 (0:0).

Ein Tor schießen, keines kassieren, das war der Plan von Hansi Flick für das Spiel, das irgendwie ja auch an sein Schicksal geknüpft war. Das gelang, überhaupt bestanden die Bayern diese erste Reifeprüfung souverän und dominant. Spielbestimmend, vorne im richtigen Moment eiskalt und defensiv meist sicher: Es wären sogar noch ein paar mehr Tore drin gewesen. Aber auch so könnte die Ausgangslage vor dem Rückspiel am 18. März besser kaum sein.

400 Spiele mehr Erfahrung in der Champions League – so viele hatte der Kader des FC Bayern bei Anpfiff mehr auf dem Konto als die Gastgeber, aber auch ohne diese Zahl waren die Rollen klar verteilt. Der Tabellenvierte der Premier League befindet sich im Umbruch, ist auf der Insel nicht mehr die ganz große Nummer. Die Bayern hingegen hatten in jegliches Mikrofon posaunt, dass der Ausflug nach London nur eine Zwischenstation sein soll.

Die Gäste aus München waren wie erwartet auf vier Positionen verändert, anders als noch am Freitag gegen Paderborn standen wieder Jerome Boateng und Benjamin Pavard in der Abwehr, vorne rotierte Flick seine Stammkräfte Thomas Müller und Kingsley Coman zurück in die erste Elf. Und es waren die Offensivkräfte, die die ersten Szenen bestimmten. Abwarten und Tee trinken, das war nicht die Bayern-Taktik. Im Gegenteil: Bereits nach 43 Sekunden wurde Müller erstmals vor Keeper Willy Caballero vorstellig. Zu unpräzise.

Die Bayern machten das Spiel, Chelsea zog sich aber keineswegs nur zurück. In der neunten Minute war Mason Mount erstmals vorbei an Alphonso Davies, aber Flicks Mannschaft verteidigte im Kollektiv solide. Und so gingen auch die ersten echten Chancen auf das Konto der Gäste. Coman, der über rechts kam, verzog nach einem sehenswerten Doppelpass mit Thiago (12.), ehe Lewandowski Caballero prüfte (15.). Der Pole hatte auch eine knappe Viertelstunde später (noch) kein Glück (28.).

Dass man auch als dominantes Team hellwach sein muss, bekamen die Bayern immer wieder zu spüren. Sinnbildlich für die Entwicklung unter Flick aber standen zwei Szenen. Als Mount einmal durch war, holte Alphonso Davies ihn im Nullkommanichts wieder ein (18.), kurz später unterband Thiago, der neben Joshua Kimmich auf der Sechs spielte, einen schnellen Angriff. Die Gelegenheiten von Olivier Giroud (20./34.) und Ross Barkley (24.) waren nicht so gut wie jene der Bayern, aber auch Müller scheiterte zwei Mal, ein Mal davon an der Latte. Ein Tor zur Halbzeit wäre verdient gewesen, so aber parierte Manuel Neuer gegen Marcos Alonso und hielt das 0:0.

Es war ein Geduldsspiel, ein sehenswertes – und die Geduld zahlte sich aus. Gerade fünf Minuten waren im zweiten Durchgang rum, da spielte Gnabry einen Doppelpass mit Lewandowski, der uneigennützig und perfekt abspielte. 202 Sekunden später wiederholte das Duo diesen Schachzug nach einem langen Ball von Neuer. 2:0, so schnell geht’s. Beinahe hätte der 24-Jährige in der 60. Minute noch einen drauf gelegt, der Ball segelte knapp vorbei.

Die Bayern waren auf der sicheren Seite, Chelsea reagierte, aber es gelang – am Ende zu zehnt – kein Tor. Dafür traf Lewandowski nach Davies-Vorarbeit. Dass Coman das Feld angeschlagen verließ, war ein kleiner Wermutstropfen an diesem Abend, der nicht nur Gnabry Freude bereitete.

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