München – Gerade erst war Patrick Ehelechner, ehemaliger Nationaltorwart und jetzt Fernsehkommentator, zu Besuch bei Dominik Kahun in Pittsburgh. Für das MagentaSport-Format „Kühlbox“, bei dem Spielern lustige (Quiz-) Fragen gestellt werden, schaute er im Appartement von Kahun und seiner aus München stammenden Freundin Toni vorbei. Die Wohnung war aufgeräumt, der Blick vom Balkon ging auf die Skyline von Pittsburgh und einen der großen örtlichen Flüsse. „Und weißt du, wie der heißt?“, fragte Ehelechner. Kahun musste passen bei Monongahela River. Seit diesem Montag steht fest: Er wird sich die Bezeichnung auch nicht mehr merken müssen. Denn Dominik Kahun, 24, mit dem EHC München dreimal Deutscher Meister geworden und mit der Nationalmannschaft Olympia-Silbermedaillengewinner, ist kein Spieler der Penguins mehr und verlässt Pittsburgh. Am letzten Tag, an dem es möglich war, wurde er zu den Buffalo Sabres getradet. Im Tausch gegen zwei etablierte Stürmer. Das zeigt: Kahun wird großer Wert beigemessen.
Für ihn ist es aber kein guter Deal. Anders als beim letzten Wechsel. Nach seinem NHL-Premierenjahr bei den Chicago Blackhawks hatten ihn die Pittsburgh Penguins geholt. Er spielte in einem Team mit Sydney Crosby und Evgenij Malkin, zwei Weltstars. Die Pens sind das nach Punkten fünftbeste Team in der National Hockey League, man traut ihnen zu, 2020 den Stanley Cup zu gewinnen. Kahun fiel ein paar Wochen wegen einer Gehirnerschütterung aus, fand aber wieder Anschluss und brachte es in 50 Partien auf zehn Tore und 17 Vorlagen. Intern war er damit sechstbester Scorer.
Trades in der NHL sind manchmal schwer nachzuvollziehen, oft geht es nicht um die aktuelle Leistung, die man von jemandem erwartet, sondern darum, rechtzeitig die Weichen zu stellen, damit das von der Liga kontrollierte Personalbudget stimmt. Oder es geht um langfristig angelegte sportliche Konzepte und die Kaderstruktur. Die Buffalo Sabres such(t)en einen jüngeren Stürmer für die Centerposition in der zweiten Reihe, dafür ist Kahun vorgesehen. In Pittsburgh hatte er auf Außen spielen müssen.
Anzunehmen ist, dass Dominik Kahun bei seinem neuen Trainer hohe Wertschätzung genießen wird. Coach der Buffalo Sabres ist nämlich der Deutsche Ralph Krueger. Eine illustre Persönlichkeit: In den 80er-Jahren aus Kanada in die Bundesliga gekommen, Nationalspieler geworden. Er kam dann als Trainer groß heraus in der Schweiz, von 1997 bis 2010 war er dort Nationaltrainer. Mit dem Motivations-Leitfaden „Teamlife“ schrieb er einen Nummer-eins-Bestseller. Die Schweizer Unternehmerin Katharina Liebherr gewann Krueger schließlich für den Fußball. Bis zu einem Gesellschafterwechsel im vergangenen Jahr war er Vorstands-Chef ihres Premier-League-Clubs FC Southampton. Nun ist Krueger zurück im Eishockey-Business.
Die Sabres sind unter den 31 NHL-Vereinen derzeit die Nummer 22, die Playoffs werden sie wohl verpassen. Wenn man so will, hat Dominik Kahun den Stanley Cup dieses Jahr schon verloren. Ein Gewinner der Konstellation ist Bundestrainer Toni Söderholm. Für die WM in Lausanne in der Schweiz dürfte Kahun Zeit haben.