München – Es wurde in den letzten Tagen gerne über Parallelen gesprochen, denn sie lagen an der Hand. Auch im tristen Herbst war der FC Bayern ja zwischen den beiden Bundesliga-Partien gegen Paderborn und Hoffenheim nach London gereist – und beflügelt zurückgekehrt. Das 7:2 gegen Tottenham galt wahlweise als magische Nacht oder Sternstunde, man sprach vom Beginn einer großen Saison. Dabei war es nur das letzte Aufbäumen von Niko Kovac in seinem Wirken als Bayern-Trainer, danach ging es rapide bergab.
Rund einen Monat später trennten sich der Kroate und der Verein, im gegenseitigen Einvernehmen, wie offiziell ja stets betont wird. Auf dem Rasen führte Hansi Flick das Team zurück in die Spur, und auch daneben sprach kaum einer mehr von Kovac. Kein Nachtreten, kein böses Blut. Dabei ist es auch beim ersten öffentlichen Auftritt des 48-Jährigen geblieben. „Ich blicke sehr positiv zurück. Die Erfahrungen, die ich sammeln durfte, werde ich nutzen können“, sagte Kovac in der Sendung „Sport & Talk“ bei „Servus TV“.
Überhaupt gab sich der ehemalige Bayern-Spieler bei seiner Rückkehr auf die Fußball-Bühne gelöst und entspannt. Die Zeit in München, dauerhaft begleitet von Diskussionen um seine Person, hatte ihm am Ende sichtbar zugesetzt. Graue Haare, kaum mehr ein Lachen im Gesicht – Kovac gab zu: „Es ist natürlich viel intensiver in München.“ Knapp eineinhalb Jahre hat er den Job ausgeführt, dafür sei er „dankbar, denn da wollen alle hin, aber es schaffen nur wenige“. Auch wenn es anstrengend war: Seine Visitenkarte ist um drei Titel – Meisterschaft, Pokal, Supercup – reicher.
Zudem betonte Kovac, der zuvor von 2016 bis 2018 Eintracht Frankfurt trainiert hatte: „Ich kann nach dreieinhalb Jahren in der Bundesliga sagen, ich bin ein besserer Trainer geworden.“ Dass Kritiker ihn skeptisch sehen, der Fußball des FC Bayern nach seinem Aus als besser bezeichnet wird, lässt ihn daher kalt. Fußball bringe Emotionen mit sich, man dürfe nicht alles zu ernst nehmen: „Ich schaue geradeaus, das ist auch gut so.“
Tatsächlich hat Kovac, der seine Freizeit derzeit in Österreich beim Skifahren genießt („das habe ich seit 13 Jahren nicht geschafft“), reflektiert und den Blick bis in den Sommer gerichtet. Zur neuen Saison nämlich, so kündigte er an, wolle er „wieder etwas machen, darauf bereite ich mich vor“. England, Spanien und auch die Bundesliga („immer interessant“) nannte er als Optionen für ein neues Engagement. Und er beteuerte: „Ich fühle jetzt wieder die Spannung.“
Natürlich ist ihm bewusst: „Viel Größeres als den FC Bayern gibt es nicht.“ Die Strahlkraft eines Vereins sei für ihn aber nicht ausschlaggebend: „ ich mich mit einem Club identifiziere, werde ich es machen.“ Vor allem sei wichtig, „dass etwas entstehen kann“. 113 Tage nach seiner Entlassung hat Kovac wieder Lust. HANNA RAIF