Köln – Uwe Krupp hatte sich auf einen ruhigen Sommer eingestellt. Dann klingelte in Prag das Telefon. „Ursprünglich war geplant, dass ich ein paar Monate Urlaub habe. So wie die Welt spielt, hat sich das jetzt verändert“, sagte der Rückkehrer, auf seinem weißen Polohemd prangte das Logo der Kölner Haie. Mehr als sechs Jahre nach seinem Abschied ist der frühere Bundestrainer zurück in der Heimat, und die Aufgabe ist heikel.
Krupp soll dabei helfen, die krisengeschüttelten Haie in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wieder konkurrenzfähig zu machen. Erst am Wochenende hatte der 54-Jährige den Anruf vom Klub bekommen, danach ging alles „recht schnell und kurzfristig. 24 Stunden später saß ich im Auto nach Köln.“ Am Rosenmontag unterschrieb Krupp seinen Vertrag bei den Haien, am Veilchendienstag saß er in der Lanxess Arena beim ersten Training sowie Spiel – einem erlösenden 5:0 gegen Wolfsburg – schon auf der Trainerbank. Der Karneval hatte seine Spuren hinterlassen, in der Halle lag noch der Geruch von Kölsch in der Luft. Krupp kennt das. Dem neuen Chefcoach, der Ende Januar in Tschechien bei Sparta Prag entlassen worden war, gefielen die ersten Eindrücke. „Die Jungs sind motiviert. Die waren mit vollem Engagement bei der Sache“, sagte der gebürtige Kölner: „Wenn wir ein bisschen Erfolg haben, dann kommt auch die Leichtigkeit wieder, die im Moment ein wenig fehlt.“
Und der Erfolg kam prompt. Am Dienstagabend feierten seine Haie ihren ersten Sieg seit dem 26. Dezember, Krupp gelang dabei ein Einstand nach Maß. Die Einstellung des DEL-Negativrekords der Schwenninger Wild Wings von 18 Niederlagen in Serie (2003) wendeten die Kölner damit ab.
Der Play-off-Zug ist für die Kölner trotzdem so gut wie abgefahren. Krupp, der als Nachfolger des geschassten Mike Stewart bis 2022 unterschrieben hat, denkt deshalb weiter. „Du kannst lamentieren, du kannst ausgiebig darin baden, dass die Saison nicht so gelaufen ist, wie man sich das wünscht“, so Krupp, „oder du nimmst die Situation, um alles zu hinterfragen.“ Er wolle die restliche Saison als „Sprungbrett nehmen, um etwas Neues aufzubauen.“
In der Kölner Kabine kennt Krupp viele Gesichter, mit dem Großteil seiner Schützlinge hat er schon gearbeitet. „Über den Daumen gepeilt sind es acht, neun Jungs, die ich kenne“, sagte Krupp, „aus den Auswahlmannschaften und ein paar ‘Überlebende’ aus der Zeit vor sechs Jahren. Also ungefähr die Hälfte der Mannschaft.“ sid