Verbot im Mutterland

Rettet den Kopfball!

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Falls jemand auf der Suche nach einer Geschäftsidee rund um die sehr lukrative Fußballbranche ist: Investieren Sie nicht in die Produktion von Kopfballpendeln. Denn das Spiel hoch in der Luft, es droht sterben. Und schuld daran ist gar nicht mal Pep Guardiola, bei dem der ideale Kicker maximal 1,70 Meter groß ist und der Ball niemals Kontakt mit der Rasenoberfläche verlieren darf. Die Verantwortung wird der englische Verband, die FA, tragen müssen. Denn im Mutterland des Fußballs geht es dem Kopfball an den Kragen. Von den Grassroots her. Kinder sollen bis zu einem bestimmten Alter nicht mehr köpfen dürfen.

Angefangen haben damit die Amerikaner. Das hat man aber nicht ernst nehmen müssen. Weil es in den USA ja durchaus passieren kann, dass ein 60-Jähriger mal den Fußballverband und den Ballhersteller auf eine dreistellige Millionensumme verklagt, weil er mit 10 einen Ball hat köpfen müssen und die Birne sich in der Spätfolge etwas matschig anfühlt, darf man quasi erst als eigenverantwortlicher Erwachsener die Kugel mit dem Haupt touchieren. Aber dass die Engländer das mitmachen – und angeblich werden auch die Schotten noch nachziehen: Es ist ein fußballkultureller Bruch.

Gründe, etwas zu verbieten, findet man immer. Oder eine Studie, die belegt, dass etwas gefährlich sein könnte. Mal die konkrete Gegenfrage: Hat es Horst Hrubesch geschadet, dass er sich zum Kopfball-Ungeheuer erziehen ließ? Seine Sprache ist stets prägnant geblieben („Manni Flanke, ich Kopfball, Tor“), er hat ein Buch über Angeln geschrieben, ist im Alter mit jedem Turnier als Trainer noch ein Stückchen populärer geworden und hat am Ende seiner Laufbahn sogar verstanden, was Frauen wollen. Oder nehmen wir Oliver Bierhoff, den zweiten großen deutschen Kopfball-Mittelstürmer: Nichts, was er an Marketingformeln im BWL-Studium kennengelernt hat, ist verloren gegangen bei den Hunderten von Malen, in denen er mit der Stirn den Ball in die Maschen gewuchtet hat (was andere mit einem klassischen Fußschuss nicht geschafft haben).

Ja, früher, als Bälle aus Leder waren und sich bei Nässe vollsogen, da mag ein Kopfball noch ein Durchschüttler gewesen sein. Aber bei den heutigen High-Tech-Spielgeräten doch nicht mehr. In diesem Sinne: Gegen das moderne Kurzpassspiel, für die traditionsreiche hohe Flanke und den guten alten Kopfball-Wumms!

Guenter.Klein@ovb.net

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