München – Beim EHC München gilt seit Jahren das Prinzip der Rotation auf der Torhüterposition. Trainer Don Jackson teilte die Arbeitszeit immer auf: zwischen David Leggio und Danny Aus den Birken (2015 bis 17), zwischen Aus den Birken und Kevin Reich (seit 2017). Wann gewechselt wurde, dafür gab es verschiedene Formeln. Klar war nur: Dreimal am Stück durfte keiner der Goalies verlieren, meist wurde nach einer gewechselt. Insofern passt es nicht zur Geschichte des EHC unter Jackson, dass Danny Aus den Birken nach Niederlagen gegen Ingolstadt, Düsseldorf und in Nürnberg am Sonntag gegen Schwenningen abermals im Kasten stand – und ihm ein weiteres Negativerlebnis gerade noch erspart wurde. Nach einem 0:2-Rückstand gegen den Tabellenletzten rettete sich der EHC mit Toren in der 51. und der letzten Minute in die Verlängerung, die er dann gewann.
Warum spielt Aus den Birken nun ständig, obwohl Kevin Reich, Daniel Fießinger und der eben erst verpflichtete Team-Canada-Goalie Zach Fucale bereitstünden? Don Jackson erklärt es: Er hat sich festgelegt, dass Danny Aus den Birken, der Erfahrenste, der Höchstdekorierte (Olympiasilber 2018), sein Mann für die Playoffs ist, in denen die Torhüterrotation ohnehin ausgesetzt wird. Und weil Aus den Birken im Zeitraum von Mitte November bis Mitte Februar wegen einer Knieverletzung nur zwei Spiele hatte bestreiten können, soll die wenige Zeit, die in der Hauptrunde noch verbleibt, genutzt werden, um den 35-Jährigen in Playoff-Form zu bringen.
Don Jackson wollte das jetzt sehen: Verkraftet Aus den Birken einen Rhythmus, der der in den Playoffs zu erwartenden Belastung nahekommt? Es waren vier Spiele in zehn Tagen, zweimal betrug die Pause nur einen Tag. „Wir drücken die Daumen, dass er gesund bleibt“, sagt der Trainer.
Dass die Münchner zum Ende der Wechselfrist den Kanadier Zach Fucale verpflichteten, den Jackson einen „exzellent goaltender“ nennt, für den sie aber eigentlich keine Verwendung haben, lässt sich erklären. Am 15. Februar war Deadline auf der Transferliste. „Und wir wussten nicht, ob wir drei Torhüter für die Playoffs haben werden“, so Jackson. „Das Risiko bestand, denn bei Danny hat es schon drei Wochen länger gedauert, als wir dachten.“ Der EHC fürchtete, mit der Minimalbesetzung Kevin Reich (keine Playoff-Erfahrung) und Daniel Fießinger (bis vergangenen Herbst Oberliga-Torhüter beim SC Riessersee) in die entscheidende Jahreszeit gehen zu müssen. Es wirkte dann halt ungeplant, dass Danny Aus den Birken just nach Zach Fucales Ankunft in München seinen angestammten Platz im Tor wieder einnahm.
Wer in den Playoffs zweiter Mann sein wird hinter Aus den Birken, wird Jackson wohl von Spiel zu Spiel entscheiden. Reich ist eigentlich die Nummer zwei, war aber selber einige Zeit verletzt. Fießinger hat viele Spiele gewonnen (13 von 17), steht allerdings auch auf der Liste des Kooperationspartners SC Riessersee. Zach Fucale hat zwei Handicaps: Noch nie bestritt er ein DEL-Spiel – und er würde eine Importlizenz beanspruchen. Also könnte Jackson, sollte er Fucale auf dem Spielberichtsbogen eintragen lassen, nur acht ausländische Feldspieler aufbieten. Er hat neun: die Verteidiger Aulie, Parlett, Bodnarchuk, Sanguinetti, die Stürmer Parkes, Bourque, Roy, Voakes und Jaffray. Jede Streichung wäre ein Härtefall.
Möglich aber, dass einer der Importe ohnehin für die Playoffs (ab 13. März) ausfällt. Bobby Sanguinetti, der Verteidiger mit Spielmacherqualitäten, fehlt seit vier Wochen, und das Comeback ist nicht in Sicht. „Wir haben keine Antwort“, räumt Jackson ein, „es sind mehrere Ärzte dran.“ Die Abwehr war sehr anfällig, auch gegen die Schwenninger wieder, die, wie Jackson ihr Engagement erklärte, „um ihre Verträge spielen“ und den EHC schlecht aussehen ließen. Mit Konrad Abeltshauser kehrt am kommenden Wochenende, dem letzten der Hauptrunde, wenigstens ein wichtiger Verteidiger nach Verletzungspause aufs Eis zurück.