Blue Mountain – Ramona Hofmeister nahm in den Blauen Bergen einen tiefen Schluck aus der Champagner-Pulle, danach wich das Lächeln nicht mehr aus ihrem Gesicht. „Da geht ein echter Lebenstraum in Erfüllung“, sagte die beste deutsche Snowboarderin über ihren historischen Gesamtweltcupsieg. Mit ihrem Doppelsieg im Parallel-Riesenslalom beim Weltcup in Blue Mountain/Kanada sicherte sie sich als erst zweite Deutsche die große Kristallkugel – und ihre Vorgängerin Amelie Kober jubelte mit.
„Das ist richtig cool“, sagte Kober, „medial werden die Großereignisse Olympia und WM größer aufbereitet, aber rein sportlich ist das die größte Leistung.“ Hofmeister, so betonte die Gesamtsiegerin von 2009, könne „stolz sein auf sich, sie hat es unglaublich durchgezogen, das ist eine ganz, ganz große Nummer!“ Hofmeister gewann sechs von zehn Einzelrennen und stand zwei weitere Male auf dem „Stockerl“ – trotz schwieriger, von Verletzungen geprägter Vorgeschichte. Dazu siegte die 23-Jährige, die stets mit einem Leoparden-Schal die Hänge hinab rast, an der Seite von Stefan Baumeister bei beiden Team-Wettbewerbe.
Dass es nach dem Gewinn der kleinen Kristallkugel im Parallel-Riesenslalom am Samstag tags darauf zwei Rennen vor Saisonende zum ganz großen Wurf reichen würde, hatte die Olympiadritte selbst nicht erwartet. Sie habe Cheftrainer Paul Marks „dreimal gefragt, ob er sich auch sicher ist“, bekannte die Polizistin aus Bischofswiesen nach dem für sie „perfekten Wochenende. Dass es so läuft, ist der absolute Wahnsinn, unglaublich.“
Und trotzdem nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu weiteren großen Zielen. Bei der WM 2021 und Olympia 2022 jeweils in Zhangjiakou/China plant Hofmeister weitere Coups. „Ich traue ihr alles zu, ganz schlicht: alles“, sagte Kober, die ihre Karriere nach fünf internationalen Medaillen und noch mehr Verletzungen im Sommer beendet hatte: „Was sie ausmacht ist, dass sie unglaublich beißen kann. Sie ist enorm fokussiert, wenn es drauf ankommt und ein brutaler Wettkampftyp.“
Dass Olympiasiegerin Ester Ledecka (Tschechien) in diesem Winter verstärkt auf die Alpin-Karte setzte und nur zwei Rennen fuhr (ein Sieg, ein zweiter Platz hinter Hofmeister), schmälere die Leistung ihrer früheren Teamkollegin nicht, betonte Kober. „Danach fragt in drei Wochen keiner mehr“, sagte sie, „aber die Kristallkugel wird Ramona für immer bleiben“.