München – Die Ausbreitung des Coronavirus hält die Welt des Sports weiter in Atem. Im Biathlon wird es erstmals einen Weltcup ohne Zuschauer geben, die Motorradfahrer verlegten auch ihren zweiten Grand Prix, in Norditalien finden weiter Fußball-Erstligaspiele vor leeren Rängen statt. Inzwischen diskutieren auch schon das IOC und die UEFA über mögliche Konsequenzen für die Olympischen Spiele in Tokio und die paneuropäische Fußball-EM. Ein aktueller Überblick.
Biathlon: Der Biathlon-Weltcup im tschechischen Nove Mesto na Morave findet vor leeren Zuschauer-Rängen statt. Das entschied gestern der nationale Sicherheitsrat in Prag, wie Ministerpräsident Andrej Babis auf einer Pressekonferenz erklärte. Grund sind die Ängste vor einer Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie auch in Europa. Die Wettbewerbe sollten vom 5. bis 8. März stattfinden. Die Organisatoren hatten mit bis zu 100 000 Besuchern gerechnet. Der Biathlon-Weltverband begrüßte die Maßnahmen. „Die IBU hat immer erklärt, dass sie alle Vorschriften und Forderungen der nationalen Behörden bezüglich der Verbreitung des Coronavirus befolgen wird“, heißt es in einer Mitteilung vom Montag.
Motorrad: Nach der Absage des Saisonauftakts in Katar ist auch das zweite MotoGP-Rennen des Jahres in Thailand wegen des neuartigen Coronavirus auf unbestimmte Zeit verschoben worden. In der vergangenen Serie war der Thailand-Grand-Prix mit 226 655 Zuschauern an der Strecke die meistbesuchte Veranstaltung.
Olympische Spiele: Die Debatte und Sorge um die Olympischen Spiele in Tokio wächst von Tag zu Tag mit den rasant steigenden Zahlen der Coronavirus-Infektionen und Todesfällen. Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wird heute in Lausanne beraten. Top-Thema: Tokio 2020 im Schatten der Corona-Krise. Vorerst wird allerdings noch beteuert, dass die Spiele nicht gefährdet seien. Japans Botschafter in Deutschland, Takeshi Yagi, erklärte gestern: „Japan hat im Bezug auf die Erkrankungen alle notwendigen Maßnahmen ergriffen.“ Die Vorbereitungen, so Yagi, würden weiterhin mit dem Ziel fortgeführt, „den Athleten und Zuschauern Spiele zu bieten, an denen alle beruhigt teilnehmen können.“
Fußball/UEFA: Das Exekutivkomitee der UEFA beriet bei seiner gestrigen Sitzung in Amsterdam auch über mögliche Auswirkungen des Coronavirus auf die Fußball-Europameisterschaft 2020. Wie aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war, ging es aber vorerst nur um einen Informationsaustausch und nicht um Entscheidungen über konkrete Maßnahmen oder sogar Ausfall-Szenarien für das Turnier in zwölf Ländern vom 12. Juni bis 12. Juli.
Im Hinblick auf Playoff-Partien (26. bis 31. März) zur EM hat die EUFA mögliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen: „Wir sind in Kontakt mit den lokalen Behörden und werden darauf reagieren, was sie uns sagen“, erklärte UEFA-Mediendirektor Phil Townsend in Amsterdam: „Wenn die Behörden ihre Ansicht ändern, werden wir unsere ändern.“
Fußball/Champions-League: Das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League zwischen Frankreichs Fußballmeister Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund könnte laut einem Medienbericht möglicherweise ohne Zuschauer stattfinden. Die UEFA habe darüber aber noch nicht entschieden, berichtete die Zeitung „Le Parisien“. Frankreich hatte am Wochenende wegen des neuartigen Coronavirus alle Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Menschen untersagt. Davon sind vor allem Veranstaltungen in geschlossenen Räumen betroffen, aber auch einige Sportevents. Ausgenommen sind bisher Veranstaltungen in Stadien.
Fußball/RB Leipzig: Aus Panik vor dem Coronavirus hat der Sicherheitsdienst des RB Leipzig eine Gruppe Japaner des Stadions verwiesen. Gut zehn Minuten nach Beginn des Spiels gegen Bayer Leverkusen (1:1) am Sonntag sei die Gruppe von etwa zehn Ordnern des Stadions verwiesen worden. Dabei soll ihnen erklärt worden sein, dass dies aus Sorge vor dem Virus geschehe. Den Japanern wurde zugesagt, dass das Geld für die Tickets zu einem späteren Zeitpunkt erstattet werde.
Fußball/Italiens Serie A: In Italien müssen die Fußball-Erstligisten im Norden weiter ohne Zuschauer spielen, darunter auch die Top-Clubs Juventus Turin und Inter Mailand. Zu den Verschiebungen und unklaren Vorgaben für seinen Verein sagte Inter-Clubchef Giuseppe Marotta, das sei für ihn ein „Rätsel“. Die Planung lasse kaum noch Raum für Europapokal-Partien. Die Regierung in Rom hatte am Sonntag ein Dekret erlassen, wonach bis zum 8. März keine Sportveranstaltungen mit Zuschauern in den stark vom Coronavirus heimgesuchten Regionen erlaubt sind. Dies gilt vor allem für die Lombardei, Emilia-Romagna und Venetien. Am nächsten Wochenende sind fünf Spiele betroffen: Bergamo – Lazio Rom, Ferrara – Cagliari, Hellas Verona – Neapel, Inter Mailand – Sassuolo, Bologna – Juventus Turin.
Fußball/Schweiz: Die Swiss Football League (SFL) hat aufgrund der Coronavirus-Epidemie gestern die Spiele der 1. und 2. Liga bis zum 23. März ausgesetzt. Bereits am Wochenende hatte die SFL alle Spiele der ersten beiden Ligen abgesagt. Die SFL reagierte damit auf eine Anordnung des Bundesrates, wonach in der Schweiz alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 teilnehmenden Personen bis mindestens zum 15. März verboten wurden.
Gewichtheben: Die Junioren-Weltmeisterschaft in Bukarest (13. bis 21. März) ist wegen des Coronavirus abgesagt worden.. dpa/sid