Die NBA huldigt dem Natur-Phänomen

von Redaktion

Zion Williamson ist der neue Superstar der Basketball-Traumfabrik – den Sport in New Orleans hat er wieder belebt

VON ANDREAS MAYR

New Orleans – Zion Williamson hat den Basketball in New Orleans gerettet, bevor er ein Spiel für sein Team gespielt hat. Das ist in diesem Fall kein Heldenepos, erdichtet im NBA-Universum. Sondern eine wahre Geschichte. Die New Orleans Pelicans, das Sinnbild für Erfolgs- und Bedeutungslosigkeit in der NBA, verloren erst ihre Superstars Chris Paul und Anthony Davis, danach ihre Zuschauer, und in den nächsten Jahren hätten sie wohl auch ihre Heimat verloren, weil man sie verkauft hätte.

Aber seit dem 21. Juni 2019, dem Abend, an dem die Basketballliga ihre Talente im Draft verteilt, hat New Orleans eine Zukunft mit Namen Zion. Der Club wählte ihn an Position eins aus. Wen auch sonst. Bereits am nächsten Tag vermeldete der Verein 3000 verkaufte Jahreskarten. Drei Monate später war die Rekordzahl von 12 000 Saisontickets abgesetzt. „Zion-Effekt“ nannten sie den Boom.

Die Fans gieren nach Sensation, nach Dunkings, die wie Sachbeschädigung der Korbanlage aussehen. Drei Monate mussten sie auf das Debüt des Superstars warten. Nach einer Knieverletzung verordneten die Ärzte eine lange Pause. Normalerweise rotiert die NBA-Welt schneller als der Alltag. Für Williamson hielten sie die Zeit an. New Orleans weiß um seinen Wert. Als Zions Nike-Schuh in einem College-Spiel für Duke platzte und er mit einer Knöchelverletzung vom Feld ging, verlor die Aktie des Sportartikelherstellers 1,5 Prozent. Die Pelicans hegen ihr Ausnahmetalent wie ein Zuchtpferd. Williamson ist kein Basketball-Mozart wie Luka Doncic, eher ein Natur-Phänomen. 130 Kilo verteilt auf 2,01 Meter, trotzdem eine Ballerina in Basketballschuhen mit der (Sprung-)Gewalt einer Raubkatze. Die Louisiana State University (LSU) köderte ihn gar mit einem Football-Stipendium. Ihr Trainer Eric Mateos sagte damals: „Er ist wohl der beste Tight End, der je gelebt hat.“

Sein Vater Lateef, ähnliche Statur, träumte eine Zeit lang von einer Karriere in der NFL. Er verließ seine Frau, Sharonda Sampson, eine Leichtathletin, kurz nach Zions Geburt. Ihr neuer Partner Lee Anderson übernahm die vakante Vaterrolle und lehrte seinem Ziehsohn Basketball. Die einzigartige Genetik gepaart mit frühkindlicher Basketball-Erziehung machten ihn zu einer Art Zirkus-Attraktion. Mit 16 lachte er der Basketball-Welt auf dem Cover des SLAM-Magazins entgegen. Im selben Jahr zog sich der Rapper Drake Williamsons High-School-Trikot über. Viele Experten hielten ihn zunächst für ein athletisches Monster, das seinen Mitschülern voraus war. Dann wechselte er ans College zur Elite-Uni Duke und dominierte auch dort unter dem Korb.

Selbst in der NBA gibt es kaum einen, der sich in den Weg der Kanonenkugel traut. Seine Statistiken nach 15 Spielen übertreffen selbst die Fabelzahlen aus LeBron James’ Rookie-Saison: 24 Punkte, sieben Rebounds und die unfassbare Trefferquote von 58 Prozent. Seit der Jugend vergleicht man James und Williamson. Vorige Woche trafen sie zum zweiten Mal im direkten Duell aufeinander. James und seine Los Angeles Lakers gewannen, doch Williamson erzielte einen Punkt mehr (35) als der Superstar. Die Chancen stehen gut, dass sich beide in der ersten Playoff-Runde wiedersehen. Seit Williamson spielt, arbeiten sich die Pelicans Platz um Platz nach vorne. Außerdem steht noch eine Revanche mit Anthony Davis aus. Der Mann, der nach vielen Misserfolgen zu den Lakers weiterzog. Eine sehr persönliche Geschichte verbindet die beiden Forwards: Als Zion einst um ein Autogramm bettelte, beachtete ihn Davis, der NBA-Star nicht. Williamson hat das nicht vergessen.

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