Ein erster Schritt zur Normalität

von Redaktion

Bayern-Spieler feiern 1:0 mit Anhängern, aber Kimmich fordert: „Alle in die Pflicht nehmen“

Gelsenkirchen – Ob es dieses Bild geben würde, wusste man am Dienstagabend vor dem Abpfiff noch nicht. Als in der Veltins-Arena aber 90 Minuten gespielt waren und Schiedsrichter Tobias Stieler die Partie regulär beendet hatte, ging Joshua Kimmich voran. Er bewegte sich nach dem 1:0 im Pokal-Viertelfinale in Richtung jener Kurve, in der die Auswärtsfans standen. Der Rest seiner Mannschaft folgte. Eine Minute Jubel, ein paar Gesänge, kein geschmackloses Banner. Fans feiern ihre Mannschaft. Ganz normal, so wie vor der Stunde null am vergangenen Samstag in Sinsheim.

„Es war positiv, so gehört sich das“, sagte Manuel Neuer später über die Stimmung in seinem alten Wohnzimmer auf Schalke. Dabei waren die Blicke mit Anpfiff ja erst mal nicht auf den Rasen, sondern auf die Tribüne gegangen. Die Schalker Kurve hatte recht schnell ein Banner entrollt, auf dem zu lesen „Dementer Fußball-Bund – Zusage gegen Kollektivstrafe vergessen – versucht ihr nun uns Fans mit Spielabbrüchen zu erpressen?“ Ein Statement, das unter die Prämisse „freie Meinungsäußerung“ fiel, keine Beleidigung, kein Hass, keine Hetze. In der Bayern-Kurve war nichts zu lesen, obwohl die Fronten im Streit um Kollektivstrafen mit dem DFB noch immer verhärtet sind. Im Gedächtnis blieb an diesem Abend, vor dem den Verantwortlichen bange war, was Leon Goretzka sagte: „Das war eine Stimmung, wie ich es noch in Erinnerung hatte. Das ist der zwölfte Mann in diesem Stadion, eine große Stärke.“

Die Schalker hatten vor der Partie ja angekündigt, bei der ersten Verfehlung den Rasen zu verlassen, die Bayern wollten im Fall der Fälle die Hoheit dem Schiedsrichter überlassen. So weit kam es zum Glück nicht. „Heute haben wir Fußball gesehen, so wollen wir das weiterhin haben“, sagte Hasan Salihamidzic. Der Sportdirektor beteuerte wie die Spieler, „das Thema nur im Hinterkopf“ gehabt zu haben. Neuer sagte: „Wir haben uns auf das Spiel vorbereitet – das Resultat hat man ja heute gesehen.“

Am Samstag in Sinsheim hatte kein Bayern-Spieler gesprochen. Neuer wollte auch auf Schalke „keinen Appell an die Fans richten“, er hofft auf Einsicht. Deutlicher wurde da Joshua Kimmich, den nicht als einzigen das Gefühl beschleicht, „dass „Schmähungen, Diskriminierungen und Respektlosigkeiten im deutschen Fußball an der Tagesordnung“ seien. Er sagte: „Sowas ist nicht normal“ – es sei nun wichtig, dass Vereine, Verantwortliche und Fans „alle in die Pflicht genommen werden“. Das Thema wird weiter mitschwingen.

Am Dienstag waren alle erst mal froh, „dass das Spiel wieder 90 Minuten gedauert hat, so sind wir das gewohnt“ (Goretzka). Als die Bayern aus ihrer Kurve kamen, machten sich übrigens die Schalker auf den Weg. Zu ihren Fans, die sie lautstark bejubelten, minutenlang feierten. Obwohl sie verloren hatten. Wie echte Fans. Schönes Bild.  hlr

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