Gegen Gelsenkirchen hatte Völklingen keine Chance. Das Zentrum des Interesse im DFB-Pokal-Viertelfinale lag bei dem Duell zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern. Letztlich hätte es sich aber auch um einen normalen Bundesliga-Abend handeln können. Große Arena, ausverkaufte Ränge, pralles Flutlicht, durchinszenierte TV-Liveübertragung – das sind die Zutaten für ein modernes Fußball-Event.
Parallel zum Anpfiff in Gelsenkirchen steuerte 346 Kilometer entfernt in Völklingen das andere Viertelfinale zwischen dem 1. FC Saarbrücken und Fortuna Düsseldorf seinem Höhepunkt entgegen. Und das Kräftemessen des Regionalligisten mit dem Bundesligisten zeigte: Es nicht eben nicht nur der David-gegen-Goliath-Effekt, der daran fasziniert. Vielmehr zeigen solche Ausflüge eines Viertligisten auf die große Bühne, dass der Fußball hierzulande mehr ist als nur Show und Bling-Bling.
Weil der heimische Ludwigspark seit vier Jahren renoviert wird, muss der 1. FC Saarbrücken auf das Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen ausweichen. Dort streikt das Flutlicht gerne mal, wie zuletzt gegen die TSG Balingen in der Liga. 7000 Zuschauer passen nur hinein, wenn alle Besucher gleichzeitig den Bauch einziehen. Der Hauch einer Bezirkssportanlage weht über das Areal. Allerdings ein Hauch, den jeder Kreis – oder Bezirksligafußballer kennt. Ein Viertelfinale wie Saarbrücken gegen Düsseldorf ist so auch immer eine Reise ins Epizentrum der deutschen Fußball-Seele. Wenn dann noch ein Pokal-Held wie der Saarbrücker Torwart Daniel Batz geboren wird, erübrigt sich die Frage, ob der DFB-Pokal in seiner jetzigen Form noch zeitgemäß ist.
Ironischerweise setzt ausgerechnet der Hauptdarsteller dieser magischen Pokalnacht aus Saarbrücken alles daran, dieser Kicker-Nostalgie schnellstmöglich zu entfliehen. Gründungsmitglied der Bundesliga und ehemaliger Teilnehmer im Europapokal der Landesmeister (1955) prangt auf der saarländischen Visitenkarte.
Als Tabellenführer der Regionalliga Südwest hat der Club Liga drei und den Profi-Fußball wieder im Visier. Bis zur nächsten Saison soll der Ludwigspark auch endlich fertig sein. Und aus dem sensationellen Viertligisten wird wahrscheinlich wieder ein normaler Profi-Club.
Daniel.Mueksch@ovb.net