Zartes Triple-Träumchen

von Redaktion

Die Bayern eilen von Sieg zu Sieg – und Neuer sagt: „Die Möglichkeit besteht“

VON HANNA RAIF

Gelsenkirchen – Man musste nicht mal live dabei gewesen sein, um zu wissen, dass die Freude in Saarbrücken wahrlich größer war als jene, die die Spieler des FC Bayern auf dem Rasen in Gelsenkirchen versprühten. Aber auch der Halbfinaleinzug der Münchner, der elfte in Serie wohlgemerkt, wurde nicht ganz ohne Emotionen zur Kenntnis genommen. Joshua Kimmich sprang mit Abpfiff Manuel Neuer in die Arme, am Mittelkreis bildete sich eine spontane Jubeltraube aus roten Akteuren. Ja, irgendwie war da Erleichterung über diesen nächsten Schritt auf dem Weg zu drei (?) Titeln.

„Bitte, das geht mir jetzt zu weit“, sagte Hasan Salihamidzic, als das unvermeidliche Wort „Triple“ ausgesprochen wurde. Dieser Reflex ist normal in der Branche, aber Manuel Neuer schloss sich seinem Vorgesetzten an. „Hochmut kommt vor dem Fall“, sagte der Kapitän des FC Bayern nach dem 1:0 auf Schalke und verwies auf den bisherigen Saisonverlauf. „Man sieht, wie schnell sich alles drehen kann, wir dürfen nicht nachlassen.“ Weil aber auch der Nationalkeeper um die günstige Ausgangslage weiß, in die sich die Bayern seit der Amtsübernahme von Hansi Flick gespielt haben, fügte er lachend an: „Ich traue uns einiges zu. Ich werde es nicht aussprechen, aber die Möglichkeit besteht.“

Wer in der Bundesliga aus vier Punkten Rückstand drei Vorsprung gemacht hat, in der Königsklasse mit einem Bein in der Runde der besten Acht steht und unter den vier verbliebenen Teams im DFB-Pokal der haushohe Favorit ist, darf schon mal träumen. Zumal die Bayern in Gelsenkirchen den Eindruck verstärkten, der sich in den vergangenen Wochen aufgedrängt hat. Weder Wirbel auf den Rängen noch zahlreiche Ausfälle (Boateng, Hernandez, Coman) können sie derzeit aus dem Konzept bringen. Flick gab „ein Kompliment“ an seine Mannschaft und führte aus: „Die lezten Wochen waren auch für sie relativ tough.“ Trotzdem stand gestern, als die Spieler mit Privatfliegern aus Essen zurück nach München gebracht wurden, das 14. Pflichtspiel ohne Niederlage. So soll es weitergehen.

„Wir sind wieder total in der Spur“, sagte Salihamidzic. Zwar hatten die Bayern am Dienstag keine Glanz-Leistung geboten, „das zweite Tor hat gefehlt“, sagte Neuer, der nicht beschäftigungslos war. 81 Prozent Ballbesitz und 20:6-Torschüsse sprachen aber für sich. Obwohl ein Schalker Treffer zur Verlängerung geführt hätte, hatte man nie das Gefühl, dass die Münchner in Gefahr sind. Den Siegtreffer besorgte Joshua Kimmich (40.), weil die Offensivabteilung gegen tief stehende Schalker nicht so viel zaubern konnte wie noch beim 6:0 in Hoffenheim. Leon Goretzka war in seiner alten Heimat glücklos, Thomas Müller gelang als Sturmspitze kein entscheidender Impuls. Letztlich war das aber egal, denn am Ende stand die Erkenntnis, dass man von der 24. Final-Teilnahme im DFB Pokal nur noch einen Schritt entfernt ist. Und vom 20. Pokalsieg einen weiteren.

Das Rezept klingt simpel: „Wir sind gut drauf, haben Selbstvertrauen. Das Trainerteam macht es sehr gut, und der Zusammenhalt ist sensationell“, sagte Salihamidzic. Der Sportvorstand war bemüht, den Fokus auf das Heimspiel am Sonntag gegen Augsburg zu lenken, aber er sagte dann doch: „Wir wollen nach Berlin!“ Am 23. Mai findet dort das Pokalfinale statt. Weitere Daten für den Bayern-Kalender: 30. Mai, Champions-League-Finale in Istanbul. Und davor: 21./22. April, Pokal-Halbfinale. Womöglich gegen Saarbrücken?

„Hochmut kommt vor dem Fall“

Das erste Ziel ist klar: „Wir wollen nach Berlin!“

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