München – Ob und wie es mit dem deutschen Profifußball weitergeht, ist offen, nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn angesichts zunehmender Coronavirus-Infektionen in Deutschland gestern empfohlen hat, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Zurzeit geschehe dies aus seiner Sicht immer noch zu zaghaft. „Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden“, sagte er. Und davon wären dann auch die höchsten deutschen Fußball-Ligen betroffen – also auch der Rekordmeister FC Bayern und in der 3. Liga der TSV 1860 und die SpVgg Unterhaching. Es droht allen der Stillstand – die DFL sieht das allerdings (noch) anders. Es stehe außer Frage, „dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln“, so DFL-Geschäftsführer Christian Seifert gestern
Nach dem Sieg der Bayern über Augsburg sagte Hasan Salihamidzic: „Wir haben Leute im Klub, die sich damit beschäftigen. Herr Dreeßen ist, glaube ich, der Mann, der mit allen Kontakt hat, der telefoniert und mit jedem Einzelnen von den Behörden in Kontakt ist. Mal sehen, was passiert. Aber klar, es hofft jeder, dass es keine Spiele ohne Zuschauer gibt. Wir spielen für die Zuschauer und machen alles für die Zuschauer und unsere Fans. Das wäre nicht so schön.“
Die Formel 1 sperrt derweil schon Zuschauer aus. Aus Sorge vor der Ausbreitung des Coronavirus wird der zweite Saisonlauf der Königsklasse in Bahrain am 22. März ohne Zuschauer an der Strecke ausgetragen. „In Absprache mit unseren internationalen Partnern und dem Gesundheits-Krisenstab des Königreichs hat Bahrain die Entscheidung getroffen, den diesjährigen Grand Prix als reine Teilnehmerveranstaltung durchzuführen“, teilte der Veranstalter des Nachtrennens mit. Die Formel-1-Saison soll am Sonntag in Melbourne/Australien starten. Das für den 19. April geplante vierte Saisonrennen in China wurde bereits Mitte Februar auf unbestimmte Zeit verschoben.
Abseits der Königsklasse wurde im Motorsport rigide der Rotstift angesetzt. So wurde das Formel-E-Rennen in Rom am 4. April abgesagt, der Motorrad-GP in Thailand in den Oktober verlegt.
Und Covid-19 schrieb am Wochenende im Sport noch andere Geschichten. Neben Motorsport und Fußball sind auch der Radsport und Eishockey betroffen. In Italien wird bereits offen von einem Abbruch der Fußball-Meisterschaft gesprochen, sollte ein Serie-A-Spieler positiv getestet werden. Das Radsport-Monument Mailand-Sanremo (21. März) im Krisengebiet Norditalien wurde ebenso abgesagt wie die Fernfahrt Tirreno-Adriatico (11. bis 17. März) und das Weltcup-Finale der alpinen Skirennläufer in Cortina d’Ampezzo (18. bis 22. März).
Ersatzlos gestrichen wurde am Samstag die Eishockey-WM der Frauen in Kanada (31. März bis 10. April). Auch die Männer-WM im Mai in der Schweiz rückt in den Fokus, für Weltverbands-Präsident Rene Fasel gilt aber ein Zuschauerausschluss noch als „undenkbar“. In anderen Wintersportarten ist dieser bereits Realität: Der Biathlon-Weltcup in Nove Mesto wurde ebenso ohne Fans ausgetragen wie die Nordischen Weltcups am Holmenkollen.
Auch die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA erwägt einen Zuschauerausschluss, um den Spielbetrieb fortsetzen zu können. Scheinbar unbeeindruckt von all dem schreiten die Vorbereitungen auf die beiden größten Sportereignisse des Jahres voran. Die Verantwortlichen für die Fußball-EM in zwölf Ländern (12. Juni bis 12. Juli) und die Olympischen Sommerspiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) verweisen darauf, die Lage genau zu beobachten, wesentliche Einschränkungen sind bislang aber nicht geplant. sid/mm