München – Gestern hat der FC Bayern gegen den FC Augsburg gespielt, kommende Woche steht das Gastspiel bei Union Berlin an. Und auch wenn man im Bundesliga-Alltag ja offiziell immer „von Spiel zu Spiel“ denkt, wurde die nächste Partie schon zum Thema, während der Ball in der Allianz Arena noch rollte. Die Frage, die das lasche 2:0 (0:0) gegen die Gäste aus dem Schwabenland begleitete: War es die vorerst letzte Partie des Tabellenführers vor Fans – ehe die Bundesliga wegen der Ausbreitung des Corona-Virus mit Geisterspielen weitergeht?
So oder so: Richtig ansehnlich war sie nicht. „Wir haben die 100-prozentige Killermentalität vermissen lassen“, sagte Thomas Müller, der mit seinem Treffer zum 1:0 (53.) nach einer schwachen ersten Halbzeit für Entlastung gesorgt hatte. Die Entscheidung aber fiel erst in der Nachspielzeit, als der eingewechselte Leon Goretzka traf. Müller war „nicht zufrieden“, aber betonte: „Das ist Meckern auf hohem Niveau“ – denn der Vorsprung an der Spitze ist auf vier Punkte vor Borussia Dortmund angewachsen.
„Das ist ein Wochenende, das gut für uns gelaufen ist“, sagte auch Goretzka mit Blick auf die Tabelle. Aus vier Punkten Rückstand nach der Winterpause sind im Nu vier Punkte Vorsprung geworden. Gestern „ohne Bravour“, aber: „Wenn du Titel willst, musst du solche Punkte holen.“ In der Tat war das Meisterrennen schon spannender, von den Rängen schallte es: „Deutscher Meister wird nur der FCB.“
Ende gut, alles gut? Müller freut sich auf „zwei freie Tage, um den Kopf freizukriegen“. Denn dass die vergangene Woche – Nichtangriffspakt in Sinsheim, 1:0 auf Schalke – an den Spielern nicht spurlos vorbeigegangen ist, konnte man gestern sehen. Flick war während der ersten Halbzeit richtig sauer. Trotzdem ließ seine Mannschaft die Ordnung genauso vermissen wie den Zug zum Tor. 20:6 Torschüsse standen in Gelsenkirchen nach 90 Minuten, zur Halbzeit gegen Augsburg waren es zwei.
Flick hatte seine Elf auf zwei Positionen verändert und setzte im Sturm auf Joshua Zirkzee. Weil Boateng wieder genesen war, rückte Joshua Kimmich zurück ins Mittelfeld, wo Corentin Tolisso und Leon Goretzka Platz machen mussten für das frische Duo. Nach vorne ging allerdings lange so gut wie gar nichts. Weder Müller – der laut Flick „zwischen den Ketten“ für Schwung sorgen sollte – noch Coutinho und Serge Gnabry hatten Ideen.
In der ersten Hälfte kamen die Augsburger, die defensiv im 4-4-2 agierten, zu besten Möglichkeiten. Sie hatten es gegen eine Bayern-Elf, die die wohl schlechtesten 45 Minuten unter Flick spielte, nicht schwer, waren aber auch clever und vor allem kampfstark. Ein Tor wollte ihnen trotzdem nicht gelingen. Müller hingegen deutete wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff mit der besten Chance an, dass die Bayern so nicht weitermachen wollten. Es dauerte in der zweiten Halbzeit dann auch nur acht Minuten, ehe das 1:0 gelang. Boateng spielte einen Traumpass: Aus rund 40 Metern bediente der Weltmeister Müller, der den linken Innenrist hinhielt und an Andreas Luthe vorbei ins Tor traf.
Der Bann war gebrochen, die Gastgeber drehten auf. Zirkzee hatte das 2:0 auf dem Fuß (65.), Coutinho scheiterte an Luthe (69.), Gnabry schoss vorbei (72.) und auf Keeper Luthe (75.), der zum besten FCA-Mann wurde. Weil er sein Team lange im Spiel hielt, hätte Florian Niederlechner aber beinahe noch den Ausgleich geschossen (80.). Manuel Neuer war mit einem Weltklasse-Reflex zur Stelle. „Wir müssen uns bei ihm bedanken“, sagte Müller. Goretzka nutzte auf der anderen Seite eine Gnabry-Vorlage zum 2:0. Das vorerst letzte Tor vor Publikum?