Kölner Siegesrausch
Auch nach dem Karneval regiert in Köln der närrische Frohsinn. Beispiel gefällig? Nach dem 2:1-Auswärtssieg in Paderborn fragt ein TV-Reporter den Kölner Trainer: „Herr Gisdol, wo führt führt die Reise des FC nach diesem Spiel hin?“ Antwort Gisdol: „Zum Geißbockheim.“
Nicht nur Gisdol, der gesamte FC hat derzeit allen Grund zum Lachen. Aus den letzten zehn Spielen ging der Aufsteiger achtmal als Sieger hervor. Mitte November 2019 hatte Markus Gisdol das Traineramt am Rhein übernommen. Zunächst ohne Fortune: Ein Punkt aus den ersten drei Spielen ließ Schlimmes befürchten. Aber danach startete Gisdol mit dem FC eine Serie, die ihm schon jetzt einen Platz in der Vereinschronik sichert. Dank des 2:1-Siegs in Paderborn hat er den Startrekord für Trainer der Domstädter mit 25 Punkten nach 13 Spielen eingestellt. Auf die gleiche Ausbeute in ihren ersten 13 Spielen an der Seitenlinie kamen nur Zlatko Cajkovski (1973), Christoph Daum (1986) und Peter Neururer (1996). Mit einem Sieg am Mittwoch im Derby gegen Mönchengladbach könnte er alleiniger Spitzenreiter in dieser Statistik-Spielerei werden. Für den ebenfalls neuen Sportdirektor Horst Heldt liegt der Grund für den Höhenflug in der neuen Leistungsdichte im Kader. „Unsere Spieler müssen sich seit der Winterpause im Training mehr beweisen und man erkennt bei den Einwechselspielern keinen Qualitätsverlust“, so Heldt.
Besonders die Wintertransfers Elvis Rexhbecaj vom VfL Wolfsburg und Mark Uth vom FC Schalke haben am Geißbockheim voll eingeschlagen.
Taumelnde Frankfurter
Seit einigen Jahren wird der Eintracht aus Frankfurt gerne auf die Schulter geklopft. Die ehemalige „Diva vom Main“ hat dank des DFB-Pokal-Gewinns 2018 und ihrer märchenhaften Reise durch Europa im letzten Jahr viele Fans auch außerhalb des Rhein-Main-Gebiets gewonnen. Doch dieses Jahr könnte der Spagat zwischen Liga, Pokal und Europa teuer werden. Nach dem 0:4 gegen Bayer Leverkusen rückt die Abstiegszone für die Hessen bedrohlich nah. Bereits im letzten Jahr verspielte der Club auf dem Zahnfleisch gehend im Saisonfinale noch die Champions League-Teilnahme. In K.o.-Spielen scheint die Elf von Trainer Adi Hütter, über ihre Schmerzgrenze gehen zu können. Im schnöden Ligabetrieb jedoch nicht. Der Kader wirkt dafür nicht breit genug aufgestellt, was man im direkten Vergleich mit Bayer Leverkusen am Samstag sehen konnte. Frankfurt hat in dieser Saison sechs Spiele mehr absolviert als Leverkusen, aber Hütter rotierte im Vergleich zum Pokal-Viertelfinale unter der Woche aber nur drei ausgeruhte Spieler ins Team. Kollege Peter Bosz, ebenfalls wenige Tage zuvor im Pokal erfolgreich, schickte sechs frische Bayer-Kräfte aufs Feld. Darunter den Doppel-Torschützen Paulinho. Von solchen Alternativen kann Frankfurt nur träumen.
Bremer Mathematik
21. So viele Punkte könnte Werder Bremen mehr auf dem Konto haben, wenn die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt die Spiele, in denen sie in Führung gelegen hat, am Ende auch gewonnen hätte. Letztes Beispiel: das 2:2 am Wochenende bei Hertha BSC Berlin. Auch hier lagen die Bremer früh vorn (2:0 nach sechs Minuten), gaben das Spiel aber gegen verunsicherte Hauptstädter immer mehr aus der Hand und mussten sich nach 90 Minuten mit einem 2:2 begnügen. Geht man noch einen hypothetischen Schritt weiter, lägen die Norddeutschen sogar auf Platz 6, hätten sie ihre Führungen immer über die Zeit gerettet.
Die Realität sieht allerdings so aus: Als Vorletzter kämpft der Traditionsverein ums nackte Überleben in der Bundesliga. Daher wird auch an der Weser inzwischen gerechnet: „Solange sie möglich ist, hoffe ich weiter auf die direkte Rettung. Das halte ich nach wie vor für nicht ausgeschlossen. Natürlich wird das erste Ziel jetzt sein, den Relegationsplatz zu erreichen.“ DANIEL MÜKSCH