Cristiano Ronaldo nahm es mit Humor. Der Superstar stieg am Wochenende auf dem Weg zum Topspiel seines Clubs Juventus Turin gegen Inter Mailand aus dem Bus, streckte seine linke Hand aus und klatschte mit dem nicht vorhandenen Spalier – oder anders gesagt: mit der Luft – ab. Danach zwinkerte er in die Kameras. Ein kurzer Moment der Ironie – auch wenn die Corona-Krise in ihrem Ausmaß freilich nicht zum Lachen ist.
In Italien wurden bereits am Wochenende Geisterspiele ausgetragen. Dass Juve und Ronaldo im Spitzenspiel mit 2:0 gewannen, konnte ebenso niemand vor Ort verfolgen wie alle anderen Partien der Serie A. Das war nach der rasanten Ausbreitung des Virus im eigenen Land logisch, notwendig, vor allem aber konsequent umgesetzt. Als Ansage von oben, ohne Wenn und Aber. Die Empfehlung hingegen, die Jens Spahn hierzulande für Großereignisse mit mehr als 1000 Zuschauern mit Nachdruck ausgesprochen hat, lässt dem Sport immer noch Handlungsspielraum. Die einen so, die anderen so. Umso erfreulicher, dass das Bundesland Bayern vorangeht und die Entscheidung in die Hand nimmt. Bis Karfreitag muss auch der große FC Bayern ohne Zuschauer spielen.
Auch wenn es Fans wie Vereine nicht hören wollen: Selbst der ach so heilige Fußball ist nicht resistent gegen ein Virus, das die ganze Welt lähmt. Da kaufen Menschen Regale leer, decken sich mit Klopapier und Mehl ein – um dann Arm in Arm mit 50 000, 60 000, 70 000 oder gar 80 000 Zuschauern über die Tore ihres Lieblingsvereins zu jubeln? Das ist genauso wenig zu verstehen wie das lange Zögern, das am gestrigen Tag dem dringenden Appell Spahns folgte.
Die Branche – und vorneweg der Branchenführer Fußball – haben sich viel zu lange und viel zu intensiv weggeduckt, wenn es um Konsequenzen für das eigene Geschäft ging. Fans wie Verantwortliche. Die Entscheidung aus Bayern sollte nun aufrütteln. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann der Kampf gegen die schnelle Ausbreitung von Corona gelingen. Der Sport ist in diesem Fall nichts anderes als ein Teil der Gesellschaft.
Die bisherigen Maßnahmen wirkten im Vergleich lächerlich. Keine Selfies, keine Autogramme, kein Händeschütteln. Der Fußball hat es versäumt, früher, proaktiv und verantwortungsbewusst zu handeln. Deshalb wäre es schön, wenn zumindest jetzt alle tun, was zu tun ist. Ja, es geht um Millionen, aber: Gesundheit geht vor! Es ist eine klare Linie notwendig. Für den gesamten Sport. Sie kann nur heißen: Zuschauer raus! Wie in Bayern.
Hanna.Raif@ovb.net