DEL: Es war ein ungewöhnlicher Anblick: Nach der Niederlage des EHC Red Bull München am vergangenen Freitag gegen Straubing gab es keine klassische Pressekonferenz. Die Journalisten hatten stattdessen die Möglichkeit, über eine Schalte zum Kabinentrakt Fragen an Coach Don Jackson zu stellen. Der Grund: Das Coronavirus. In einem Statement des EHC heißt es: „Der EHC Red Bull München beobachtet kontinuierlich die aktuellen Entwicklungen rund um den neuen Corona-Virus (SARS-CoV-2). Darüber hinaus steht der dreifache deutsche Meister in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsministerium, den örtlichen Behörden und der Deutschen Eishockey Liga (DEL), um eine tägliche Bewertung der momentanen Risikolage vorzunehmen.“
Nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses am Montagabend steht nun fest, dass alle Veranstaltungen mit über 1000 Gästen zu Geisterspielen werden sollen. Dies gilt zunächst für vier Wochen. Der Freistaat Bayern greift durch: Ein herber Schlag für die Eishockey-Welt! Aus gut informierter Quelle war zu erfahren, dass Partien ohne Zuschauer nicht nur für Vereine der unteren Ligen einen erheblichen finanziellen Schaden bedeuten. Ein Spiel ohne Fans wäre für einen DEL-Club wohl noch erträglich, bei einem weiteren würde es schon schwierig, da die Kosten für einen Spieltag enorm hoch sind. Am Mittwoch treffen in den Pre-Playoffs der ERC Ingolstadt und die Augsburger Panther aufeinander. Zudem duellieren sich die Ice Tigers aus Nürnberg und die Grizzlys Wolfsburg. Die Münchner steigen dann im Viertelfinale, das ab dem 17. März beginnt, in das Rennen um die Meisterschaft ein – nach aktuellem Stand ohne die Fans im Rücken.
DEL 2: Derweil machen sich auch die DEL 2-Clubs Sorgen, ob die Playoffs ohne Teilnahme der Öffentlichkeit überhaupt Sinn ergeben. Christian Donbeck, Chef der Tölzer Löwen, hat durchaus Verständnis für solche Überlegungen. „Die Gesundheit steht an erster Stelle. Aber Geisterspiele ohne Zuschauer wären für alle betroffenen Vereine eine Katastrophe.“ Die Clubs blieben auf den vollen Kosten sitzen, weil sie keinerlei Einnahmen hätten. Donbeck: „Dann wäre es fast sinnvoller, die Saison für beendet zu erklären.“
Oberliga Süd: Auch für die Vereine in der Oberliga Süd stellen die Zuschauereinnahmen ein finanziell elementares Standbein dar. Der EC Peiting trifft ab kommenden Freitag, 13. März, in den Playoffs, auf Hamburg.
„Wir haben nicht die Möglichkeiten ohne Zuschauer zu spielen. Ohne die Einnahmen von den Fans, kommen wir mit den Ausgaben in einen schwierigen Konflikt. Die einzige Konsequenz wäre dann, die Saison vorzeitig zu beenden“, sagt Thomas Zeck, 1. Vorsitzender der Peitinger. „Das wäre eine Existenzbedrohung für die Vereine“, sagt der ECP-Geschäftsführer Peter Gast, der obendrein Sprecher der Oberligen ist und bei der Ligenleitung mithilft. Die Kosten für die Auswärtsfahrten und die Spielstätten könnten ohne die Einnahmen aus den Eintritten nicht gestemmt werden. In der regulären Saison hatte Peiting einen Schnitt von 761 Zuschauern.
Allerdings: In der entscheidenden Phase können diese Zahlen nach oben schnellen. „Da kommen Zuschauer, die sonst nicht immer da sind“, sagt Gast. Im Schnitt seien bei den vergangenen Play-offs etwa 1200 Fans gekommen. Beim SC Riessersee wünscht man sich vor allem eine einheitliche Linie im Umgang mit dem Coronavirus: „Wir brauchen eine klare Regelung, welche Auflagen erfüllt werden müssen und wann Veranstaltungen stattfinden können“, sagt Geschäftsführer Pana Christakakis. Für Veranstaltungen bis 999 Leute soll es nun einen Kriterienkatalog geben und die Veranstalter sollen selbst über eine Absage entscheiden, so das Ergebnis der Sitzung in der Staatskanzlei am Montagabend.
Riessersee empfängt am Freitag in den Playoffs Hannover. Und auch für Christakakis ist klar: „Ein Spiel ohne Zuschauer wäre eine wirtschaftliche Vollkatastrophe.“ nms/nic/kma