Virus stoppt den bayerischen Sport

von Redaktion

Geisterspiele für Bayern und TSV 1860 so gut wie beschlossene Sache

München – Die Nachricht kam am frühen Abend, und sie hat bei den betroffenen Verantwortlichen der bayerischen Vereine doch einige Aufregung gestiftet. Wie aus gut informierter Quelle vorab bekannt wurde, wird der Bayerische Landtag heute beschließen, dass für die kommenden vier Wochen alle Veranstaltungen ab 1000 Teilnehmern verboten werden. Für die bayerischen Proficlubs – ob Fußball, Eishockey oder Basketball – bedeutet dies, dass sie sich auf Geisterspiele einstellen müssen. Somit dürfte der FC Bayern am 18. März in der leeren Allianz Arena das Rückspiel gegen den FC Chelsea austragen. Und der TSV 1860 wird aller Voraussicht nach am Samstag vor verwaisten Rängen im Grünwalder Stadion sein Spitzenspiel gegen Drittliga-Tabellenführer Duisburg bestreiten.

Auf die Dringlichkeit eines konsequenten Vorgehens in der Coronakrise hatte schon am Sonntag Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hingewiesen. „Ich ermuntere die Verantwortlichen ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen“, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Er relativierte seinen „sehr ernst“ gemeinten Hinweis mit den Worten: „Das heißt nicht, dass der Sport nicht stattfindet, sondern die Frage ist, unter wie vielen Beteiligten.“ Der Freistaat vollzieht nun den nächsten Schritt und lässt Spahns Worten erste Taten folgen.

Im Fokus stand gestern auch die Champions League. So spielt morgen Borussia Dortmund bei Paris Saint-Germain vor leeren Rängen. Das Achtelfinal-Rückspiel muss nach Angaben der lokalen Polizeipräfektur ohne Publikum ausgetragen werden. Die französische Regierung hatte am Sonntag alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten. Ob und unter welchen Umständen der BVB am Samstag zum Revierderby bei Schalke 04 antritt, blieb gestern bis zum Abend noch unklar. Eine Entscheidung, so hieß es, soll bis spätestens heute fallen.

„Das ist jetzt der Zeitpunkt, Großveranstaltungen abzusagen“, betonte auch Prof. Dr. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Die Entscheidung darüber liege allerdings „immer bei den lokalen Gesundheitsbehörden“. In Abstimmung mit diesen will daher auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) vorgehen. Geschäftsführer Christian Seifert macht sich schon für das Wochenende auf Geisterspiele – auch außerhalb Bayerns – gefasst. Alles andere sei „nicht realistisch“, sagte er. Eine Absage des Spieltags oder eine Aussetzung der Meisterschaft schloss Seifert erneut aus – sofern die Behörden keine Einwände haben.

Die erste „Ermunterung“ von Spahn am Sonntag wurde gestern zumindest von den Behörden in Leipzig ignoriert. RB Leipzig darf sein Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League heute gegen Tottenham Hotspur vor Publikum austragen. Die Entscheidung gelte aber „nur für dieses eine Spiel“, sagte Stadtsprecher Matthias Schmidt. Über das für morgen vorgesehene Nachholspiel in der Bundesliga zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln soll heute entschieden werden. „Ich finde es konsequent inkonsequent, was wir gerade tun“, sagte Kölns Sportchef Horst Heldt.

Neben Bayern hat auch Nordrhein-Westfalen vor, die von Spahn geforderten Restriktionen zu verwirklichen. Betroffen wären damit zunächst auch die Pre-Play-offs in der DEL. Und natürlich auch die 1. und 2. Bundesliga. In Bayern trifft es als Ersten den FC Augsburg mit seinem Bundesliga-Heimspiel gegen Wolfsburg (Sonntag). NRW stellt mit Dortmund, Leverkusen, Gladbach, Schalke, Köln, Düsseldorf und Paderborn die mit Abstand meisten Bundesligisten. Die finanziellen Folgen für den Sport sind einstweilen nicht abzusehen.

„Ich bin mir bewusst, welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger oder Veranstalter hat“, hatte Spahn bereits am Sonntag gesagt und angekündigt, „in den nächsten Tagen“ auch darüber sprechen zu wollen, „wie wir mit den wirtschaftlichen Folgen umgehen. Klar ist aber: Unsere Gesundheit geht vor“. Das ist die Prämisse. mm/sid/dpa

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