Coronakrise als Stimmungskiller

von Redaktion

FC Bayern trägt bis zum 19. April Geisterspiele aus – Drittligisten in Existenznot

VON HANNA RAIF UND LUDWIG KRAMMER

München – Die Stadt Dortmund reagierte zuerst. Und so war bereits gestern Mittag klar, dass das Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund am 4. April ein Geisterspiel werden wird. Die Lage, so hieß es zwar, werde bis dahin „neu bewertet“. Aber die drastische Entwicklung der Corona-Krise lässt keinen anderen Schluss zu, als dass die womöglich entscheidende Partie um die Meisterschaft ohne Zuschauer ausgetragen wird.

Bis dahin allerdings wird das schon Normalität sein. Denn auch alle Heimspiele des Rekordmeisters in der Allianz Arena, die bis 19. April anstehen, werden vor leeren Rängen stattfinden. Das ist noch nicht offiziell, gilt aber als sicher. Intern wurde gestern beraten und gerechnet, wie viele Personen im Fall der Fälle Zugang zum Stadion bekommen müssten, um einen Spieltag stattfinden zu lassen.

Betroffen ist sicher das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea (18. März). Das hat der Rekordmeister gestern auf seiner Homepage bestätigt. Der Verein werde „allen Käufern einer Eintrittskarte (…) den offiziellen Ticketpreis erstatten“, hieß es.

Geisterkulissen wird es wohl auch bei den Bundesliga-Partien gegen Frankfurt (22. März) und Düsseldorf (11. April) geben – und bei einem möglichen Viertelfinale in der Königsklasse. Weil die bayerische Staatsregierung (wie NRW, Schleswig-Holstein und Bremen) alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern bis nach den Osterferien untersagt hat, bleibt dem Branchenführer – wie auch dem TSV 1860 sowie der SpVgg Unterhaching – nichts anderes übrig. Für die Bayern wird die Partie bei Union Berlin am Samstag somit zur vorerst letzten ohne gespenstische Stimmung.

Denn aus Berlin ließ Dirk Zingler verlauten: „Ich gehe davon aus, dass kein Grund dafür besteht, das Spiel ohne Zuschauer stattfinden zu lassen.“ Der Union-Präsident fügte in der „Berliner Morgenpost“ an: „Herr Spahn hat ja auch nicht empfohlen, dass BMW in Berlin die Produktion einstellt. Deshalb kann er auch nicht empfehlen, dass wir unseren Betrieb einstellen.“ Dass solche Kommentare fehl am Platz sind und auch der Fußball zum Handeln gezwungen ist, haben zumindest die meisten Clubs verstanden. „Die Gesellschaft steht über dem Sport“, sagte Gladbach-Sportchef Max Eberl. Dortmunds OB Ulrich Sierau stellte klar: „Es geht hier wirklich um Leben und Tod für Zuschauerinnen und Zuschauer.“

Die Nachrichten kamen gestern häppchenweise. Der DFB verkündete, dass das Länderspiel am 31. März zwischen Deutschland und Italien in Nürnberg ohne Fans stattfinden werde. Weil weitere Ansagen seitens der Verbände ausblieben, stehen bei Haching und dem TSV 1860 Beschlüsse aus. Geisterspiele oder Absage – den Drittligisten wären Verlegungen sogar lieber, denn unter anderem Günther Gorenzel vermisst „die Chancengleichheit im Wettbewerb, wenn manche Spiele als Geisterspiele ausgetragen werden und andere Spiele normal stattfinden dürfen“. Der Sportgeschäftsführer der Löwen forderte „eine ganzheitliche Lösung über die Ligen hinweg“ und sprach aus, was viele denken: „Isoliert ist dieses Problem nicht zu lösen, weder im Fußball noch allgemein.“ Ob das Heimspiel am Samstag (14 Uhr) gegen Duisburg stattfindet, war daher noch unklar.

Haching spielt zunächst auswärts, in Großaspach, ist aber genauso betroffen vom „Worst Case“, wie Löwen-Finanzboss Michael Scharold Geisterspiele für Drittligisten bezeichnete. Sollte es „keine Möglichkeit der Kompensation geben, wird es die größeren Drittliga-Vereine am schwersten treffen“. Eine Versicherung, stellte er klar, „gibt es für diesen Fall nicht“.

Die DFL hatte klargestellt, eine Aussetzung der Meisterschaft komme nicht infrage. Aus der Politik wurden Stimmen laut, zumindest den anstehenden Spieltag zu verschieben. So könne man Zeit gewinnen, um „eine einheitliche Linie abzustimmen“ (Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte). Diese forderte auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Sie wäre zwingend nötig.

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