München – Der Zwist zwischen der Automobilbehörde FIA und den sieben „aufständischen“ Teams in Sachen Ferrarigate geht weiter. Wie der Münchner Merkur und die tz erfuhren: Am Montag antwortete die Automobilbehörde auf den zweiten Brief, den Mercedes, Red Bull, Alpha Tauri, McLaren, Racing Point, Williams und Renault der FIA geschickt haben. Ferrari und seine Motorkunden Alfa Romeo und Haas sind außen vor. Die Teams forderten dort nochmals mit Vehemenz einen Offenlegung des privaten Abkommens, das der Weltverband mit Ferrari getroffen hat. Die „glorreichen Sieben“ setzten der FIA sogar eine Deadline für die Antwort, die am Dienstag ausgelaufen wäre. Doch: Der Weltverband blieb in seinem Antwortschreiben hart und besteht weiterhin auf sein Recht, keine näheren Details über das Abkommen mit Ferrari öffentlich machen zu müssen.
Die sieben Teams überlegen jetzt rechtliche Schritte und befolgen womöglich den Rat von Bernie Ecclestone. Der britische Ex-Formel-1-Boss ist der Meinung, „dass die Teams den Weltverband verklagen müssen, um ihr Recht zu bekommen.“ Ecclestone: „Für mich ist klar, dass Ferrari mit dem Motor 2019 getrickst hat. Deshalb müssten sie disqualifiziert werden und das frei gewordene Preisgeld unter den übrigen Teams verteilt werden.“ Man ahnt: Ein Gang zum EU-Gericht scheint möglich.
Der „Ferrarigate“-Skandal ist aber nicht die einzige Baustelle, die der Weltverband mit seinem mächtigen Präsidenten Jean Todt gerade hat. Auch von anderer Seite bahnt sich Unheil an: Gleich zwei Teams planen einen Protest gegen die Wertung des GP Australiens, der die Formel-1-Saison am Sonntag in Melbourne eröffnen wird.
Red Bull ist der Meinung, dass das DAS-System von Mercedes nicht den aktuellen Regeln entspricht. Hintergrund: Die FIA hat erst für 2021 die Regeln für das innovative während der Fahrt spurverstellende Lenksystem, das bei den Test in Barcelona für Furore gesorgt hat, geändert. Heißt mit anderen Worten: In diesem Jahr hat der Automobilverband Mercedes grünes Licht gegeben. Red-Bull-Chefberater Helmut Marko zu F1-Insider: „Für uns entspricht das System nicht den Regeln. Deshalb werden wir protestieren, wenn Mercedes das System in Melbourne einsetzt.“
Den zweiten Protest bereitet nach Informationen unserer Zeitung Renault gegen Racing Point vor. Begründung: Mercedes-Kunde Racing Point hätte mehr als erlaubt den Mercedes aus dem Jahre 2019 kopiert. Hintergrund: Bestimmte Teile dürfen von anderen Teams eingekauft und verwendet werden. Aerodynamikteile zu kopieren ist aber verboten. Das aber genau hätte das Team des kanadischen Milliardärs Lawrence Stroll getan. Deshalb wurde dem Racing Point des Jahrgangs 2020 im Fahrerlager der Formel 1 süffisant der Beiname „Mercedes-Jahreswagen“ verpasst.
Ecclestone rät zu Klage gegen FIA