Herrlich soll es im „Lattek-Stil“ richten

von Redaktion

Der neue Trainer des FC Augsburg kennt sich im Bundesliga-Abstiegskampf bestens aus

München – HHeiko Herrlich hätte das Jobangebot seines alten Kumpels Stefan Reuter am Sonntag beinahe verpennt. „Als die SMS kam, war es Viertel vor elf – ich habe aber ab 10 geschlafen. Ich bin ein Früh-ins-Bett-Geher“, berichtete der neue Trainer des abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten FC Augsburg an seinem ersten Arbeitstag in der Fuggerstadt. Herrlichs Glück: Sportchef Reuter hatte auch am Montagmorgen noch Interesse – und so stand seinem Engagement bis 2022 als Nachfolger des geschassten Martin Schmidt nach dem verspäteten Rückruf nichts mehr im Wege.

Herrlich und Reuter haben als Spieler für Borussia Dortmund deutsche Meisterschaften, den Gewinn der Champions League und des Weltpokals gefeiert. Doch es ist ihre Erinnerung an eines der dunkleren Kapitel der ruhmreichen BVB-Geschichte, die dem FC Augsburg jetzt zum Klassenerhalt verhelfen soll. 1999/2000, erzählte Herrlich, sei Dortmund völlig überraschend in den Tabellenkeller gerutscht – trotz Topstars wie Jens Lehmann, Jürgen Kohler, Reuter, Andi Möller oder Herrlich. „Wir haben die Situation lange unterschätzt, dachten: Wir werden es schon schaffen. Am Ende hat uns Udo Lattek gerettet.“

In Augsburg soll Heiko den Udo geben. „Wir haben über viele Jahre sehr erfolgreich zusammengespielt“, sagte Reuter über seinen Freund, „Heiko war als Spieler einer, der vorangegangen ist und dahin, wo es weh tut.“Als Trainer stehe der 48-Jährige „für Gier, Leidenschaft und Siegermentalität, deshalb sind wir aktiv geworden“. Und weil der Vorsprung des Tabellen-14. auf den Relegationsplatz nach nur vier Punkten in acht Spielen seit der Winterpause auf fünf Zähler zusammengeschmolzen ist.

„Die Situation ist extrem gefährlich“, sagte Geschäftsführer Reuter, dass Augsburg unter Schmidt zuletzt auch nach Niederlagen wie am Sonntag bei Bayern München (0:2) gelobt wurde, sei „das Gefährlichste, was es gibt“. Die Spieler, betonte Herrlich zum Auftakt, neigten ob der oft positiven Kritik dazu, die eigene Lage zu unterschätzen – wie damals in Dortmund. „Das sagt mir mein Instinkt, mein Gefühl“, meinte er.

Der frühere deutsche Nationalspieler kehrt über ein Jahr nach seiner Entlassung bei Bayer Leverkusen kurz vor Weihnachten 2018 ins Fußball-Oberhaus zurück. Zuvor war Herrlich im Profibereich für den VfL Bochum, die SpVgg Unterhaching und Jahn Regensburg tätig gewesen. Zuletzt lehnte er zahlreiche Anfragen „von China über Dubai“ und auch aus der Bundesliga ab.

Im vergangenen Sommer hospitierte Herrlich bereits im Augsburger Trainingslager unter Vorgänger Schmidt, mit dem er damals „super Gespräche“ geführt habe.

Sein Debüt beim FCA feiert Herrlich am Sonntag (18.00 Uhr/Sky) gegen den VfL Wolfsburg – wegen des Coronavirus wohl vor leeren Rängen in der Arena. Reuter ist sich „sicher, dass Heiko den richtigen Schlüssel findet. Wir alle wollen hier in der nächsten Saison Bundesliga-Fußball sehen.“  sid

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