Nur Geisterspiele in der Bundesliga

von Redaktion

CORONAKRISE Auch Bayern bei Berlin ohne Zuschauer – Hannover-Profi infiziert

VON JENS MARX

Berlin – Das Coronavirus hat nun auch den ersten Fußballprofi in Deutschland erwischt und sorgt zudem für den ersten kompletten Geisterspieltag in der Bundesliga-Geschichte. Kurz nach dem Ende der Posse um die Partie Union Berlin gegen den FC Bayern, die nun doch vor leeren Rängen gespielt wird, gab Zweitligist Hannover gestern die Infektion von 96-Spieler Timo Hübers mit Sars-CoV-2 bekannt. Der 23-Jährige befinde sich in häuslicher Quarantäne, er habe seit seiner Infektion bei einer Veranstaltung in Hildesheim keinen Kontakt mit Mannschaftskollegen gehabt.

Ob das Folgen für den Spielbetrieb haben könnte, blieb vorerst unklar. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) war für eine Reaktion zunächst nicht zu erreichen. Klar ist seit gestern in jedem Fall, dass der 26. Bundesliga-Spieltag komplett in leeren Stadien ausgetragen wird, nachdem als letzte Begegnung auch RB Leipzig – SC Freiburg zum Geisterspiel erklärt wurde.

„Ich weiß, da blutet vielen Fans das Herz“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz in Berlin, an der auch Kanzlerin Angela Merkel teilnahm: „Aber ich vertraue auf die Solidarität der Fußball-Begeisterten. Auch sie helfen, chronisch Kranke und ältere Menschen zu schützen.“

In der 2. Liga sind ebenfalls Partien des kommenden Spieltags von Zuschauerausschlüssen betroffen. Für die dritthöchste Spielklasse entschied der DFB, die kommenden beiden Spieltage zu verlegen (siehe Seite 27). Die Spieltage sollen frühestens Anfang Mai nachgeholt werden. Ohne größere Einschränkungen bleibt damit fürs Erste nur der Amateurfußball. Der Bayerische Fußball Verband gab gestern bekannt, die Spiele fänden weitgehend wie geplant statt.

Die Virus-Epidemie bringt den Sport in Deutschland in schwere Bedrängnis. Eishockey-Verantwortliche rufen nach der historischen Komplett-Absage der Restsaison nach Hilfe aus der Politik. Wie es im Basketball, Handball und Volleyball weitergeht – offen. Geisterspiele in diesen Sportarten würden Einnahmeverluste bedeuten, die die Vereine angesichts geringer TV-Gelder nicht kompensieren können.

Auch international sind die Einschnitte schon erheblich. Gestern Abend wurde bekannt, dass auch das Weltcupfinale der alpinen Skiläuferinnen in Are abgesagt wird – Federica Brignone steht damit als erste Italienerin als Gesamt-Weltcupsiegerin fest.

Im Fußball droht den Wettbewerben das Chaos zu stürzen. Der FC Getafe boykottiert das Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League bei Inter Mailand und nimmt sogar ein Aus am Grünen Tisch in Kauf. Präsident Angel Torres sagte: „Wir wollen nicht ins Epizentrum des Coronavirus reisen“.

Der AS Rom bekam keine Landeerlaubnis in Spanien für das Spiel der Europa League beim FC Sevilla. Die UEFA muss nun eine Notlösung suchen, zumal auch in der Champions League mit Bergamo mindestens ein italienischer Club weiter dabei ist.

Spahn hatte zuvor im Deutschlandfunk sein Unverständnis geäußert, dass die Partie von Union gegen die Bayern am Samstag (18.30 Uhr/Sky) nach ersten Angaben mit Zuschauern stattfinden sollte. Die Verantwortlichen hätten mit ihren Kommentaren gezeigt, dass sie noch nicht abschließend verstanden hätten, worum es gehe. Wenig später erließ der zuständige Amtsarzt die Anordnung, dass die Partie in Berlin auch ohne Zuschauer stattfinden muss.

Stimmen wurden laut, die Saison zu unterbrechen. „Wenn die Gesundheit wirklich das Wichtigste ist, hätten wir konsequenterweise die nächsten beiden Spieltage absagen müssen. Das wäre am sinnvollsten und fairsten gewesen“, sagte Werder Bremens Geschäftsführer Frank Baumann „deichstube.de“.

Helge Leonhardt, Präsident des sächsischen Zweitligisten Erzgebirge Aue sagte sogar: „Ich gehe davon aus, dass die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. Sobald eine Person, die regelmäßigen Kontakt mit einer Mannschaft hat, erkrankt, muss das gesamte Team für zwei Wochen unter Quarantäne.“ Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich Spieler anstecken.

Zu dem Zeitpunkt war der positive Test des Hannover-Profis Hübers noch nicht bekannt gewesen. Hannover 96 teilte dazu mit, es sei „nicht davon auszugehen, dass sich Mitspieler bei ihm infiziert haben“. Dennoch sollen der komplette Kader sowie Trainer und Betreuer auf das Virus getestet werden. Der 1. FC Nürnberg, zuletzt Gegner der Hannoveraner am Freitag, prüft nun Konsequenzen.

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