Corona-Stresstest für Olympia

von Redaktion

IOC beharrt auf pünktlichem Beginn der Spiele in Tokio – Japans Ministerpräsident kontert Trump

Tokio – 19 Wochen vor der geplanten Eröffnungsfeier in Tokio ist für IOC-Chef Thomas Bach und die japanischen Organisatoren eine Verlegung der Olympischen Sommerspiele noch kein Thema, doch die Coronavirus-Pandemie wirbelt jetzt schon die Qualifikationswettbewerbe in vielen Sportarten durcheinander. Demonstrativ wies Japans Ministerpräsident Shinzo Abe am Freitag den Vorschlag von US-Präsident Donald Trump zu einer Verlegung der vom 24. Juli bis 9. August geplanten Spiele in Tokio zurück.

Trotz Covid-19 seien die Vorbereitungen für die Sommerspiele in Japans Hauptstadt weiter im Plan, sagte Abe einem Sprecher zufolge Trump in einem Telefonat. Der US-Präsident hatte zuvor in einer Medienrunde im Weißen Haus zu den Spielen gesagt: „Vielleicht, aber das ist nur meine Meinung, verschieben sie sie um ein Jahr. Vielleicht ist das auch nicht möglich.“

IOC-Präsident Bach bekräftigte derweil nochmals, man gehe von einem pünktlichen Beginn der Spiele aus. „Wir arbeiten mit vollem Engagement auf den Erfolg dieser Spiele mit der Eröffnungsfeier am 24. Juli hin und tun alles dafür, damit sich auch die Athleten entsprechend vorbereiten können“, sagte er. Allerdings räumte Bach ein, das IOC werde in jedem Fall dem Rat der Weltgesundheitsorganisation WHO folgen, falls diese von der Austragung der Spiele abrate. Mitte Februar habe das IOC mit der WHO eine gemeinsame Task Force gebildet.

Nach der weltweiten Absage von Sportveranstaltungen aufgrund der Ausbreitung der Epidemie bereitet Bach die Qualifikation in vielen Sportarten „ernsthafte Probleme“. Erst 55 Prozent der Teilnehmer der Spiele stünden bislang fest. Bach sprach daher davon, „flexibel zu reagieren“ und teilweise auch die Kriterien für die Qualifikation zu ändern. Chinesische Olympia-Kandidaten würden sich schon längere Zeit in anderen Teilen der Welt vorbereiten. Und auch für weitere Athleten, die sich unter schwierigen Bedingungen auf Olympia vorbereiten müssten wie in Italien, werde es Härtefall-Regelungen geben, kündigte Bach an. „Wir denken über zusätzliche Quotenplätze für betroffene Länder nach, und wie wir die Anzahl der Athleten bei Olympia im angemessenen Umfang erhöhen können“, sagte er.

Für die Spiele hat Japan aus der Staatskasse Milliarden investiert und laut Aussagen des Wirtschaftsministeriums schon dreimal mehr ausgegeben als geplant. „Eine Absage würde einen unmittelbaren Schaden von 17 Milliarden Euro bedeuten plus einen Verlust von 120 Milliarden durch ausbleibende Touristen. Ein harter Schlag für Japans Wirtschaft“, bestätigte Finanzexperte Takahiro Suzuki.

Trump hatte seine Aufforderung zur Verlegung des Ereignisses mit den Worten relativiert, er wolle den Organisatoren in Japan keinen Rat geben: „Das können sie alleine entscheiden.“  dpa

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