Die Bundesliga ruht – DFL knickt ein

von Redaktion

Spät gelangt die Deutsche Fußball-Liga zur Einsicht und zieht die Notbremse

VON DANIEL MÜKSCH

München – Kein anderer Sport ist in Deutschland so mächtig wie der Fußball – vor allem die professionelle Variante. Doch auch der Profi-Fußball muss sich eingestehen: Gegen die Macht des Coronavirus kommt er nicht an.

Lange hielt die DFL am Plan fest, den 26. Bundesliga-Spieltag in leeren Stadien stattfinden zu lassen. Als einzige große europäische Liga. Alle anderen Länder hatten ihre Kicker bereits in die Corona-Pause geschickt. Nun auch die erste und zweite Bundesliga. Der Stopp gilt erst einmal bis zum 2. April.

Vorausgegangen war eine heftig bis bizarre Auseinandersetzung innerhalb der Liga. Zunächst im Rampenlicht: Karl-Heinz Rummenigge. An der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Spieltag nahm der Vorstandsvorsitzende des Rekordmeisters überraschend teil und verteidigte das Vorhaben der Deutschen Fußball-Liga, den 26. Spieltag vor leeren Rängen stattfinden zu lassen. In Zeiten der Beschwörung auf den sozialen Zusammenhalt argumentierte der 64-Jährige aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive. Er gab unumwunden zu: „Es geht am Ende des Tages auch im Profifußball um Finanzen. Es steht ein größerer dreistelliger Millionenbetrag für die erste und zweite Liga im Feuer.“

Dabei probten parallel zum Rummenigge-Statement bereits einige Bundesligaprofis den Aufstand. So verbreitete Thiago via Twitter seinen Unmut. „Das ist verrückt. Bitte hört auf herumzualbern und kommt in der Realität an“, kommentierte der Bayern-Star via Twitter.

Ähnliche Töne kamen aus Berlin. „Fußballer werden in dieser Situation wie Affen im Zirkus behandelt“, twitterte Torhüter Rafal Gikiewicz.

Rummenigge versuchte dagegenzuhalten, dass mit der Bundesliga den Menschen etwas Normalität in schwierigen Zeiten geboten würde.

Eine Sicht, die vor allem Julian Nagelsmann vom Münchner Meisterschaftsrivalen RB Leipzig nicht nachvollziehen kann: „Unterhaltung sollte dann stattfinden, wenn alles weitere so gegeben ist, dass es einem einigermaßen gut geht. Wenn die Supermärkte leer gekauft werden und man nicht mehr auf die Straße gehen darf, dann ist auch der Unterhaltungswert eines Fußballspiels gegen Null“, sagte der 32-Jährige.

Was hat die DFL zum Umdenken bewogen? Laut eigener Mitteilung war es die „Dynamik des Tages“. Den öffentlichen Druck kommentierten die Frankfurter Funktionäre nicht, sondern argumentierten: „Hintergrund ist unter anderem, dass sich im Lauf des Tages der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus im Umfeld mehrerer Clubs und von deren Mannschaften ergeben haben und weitere Infektionen nicht auszuschließen sind.“

Mit der Zwangspause war tet auf Karl-Heinz Rummenigge allerdings nicht weniger Arbeit. Am Dienstag will Europas Fußball-Dachverband in einer großen Telefonkonferenz über Champions League und die EM im Sommer entscheiden. Rummenigge, UEFA-Mitglied der Kommission „Strategischer Beirat für Berufsfußball“, deutete an, dass er eine Verschiebung der EM für möglich hält. Der Juni sollte für den Fall der Fälle als Monat für den Club-Fußball reserviert werden, damit die einzelnen Ligen ihre Wettbewerbe ordnungsgemäß zu Ende spielen können und auch die europäischen Vereinswettbewerbe ihre Titelträger finden.

Bleibt zu hoffen, dass dieses Gremium im ersten Versuch einen Vorschlag ohne Widersprüche findet.

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